ups- hab euch grade die Bilder der letzten Mail mitgeschickt- Das War wohl ein Mistgeschickt! Also
nochmals....
Wieder ein paar Bilder von hier....
Mit den letzten Gästen verabschiedet sich auch der Sommer, der ohnehin kurz und schon im Gehen
begriffen war. Die Temperaturen sind nachts einstellig, und rutschen empfindlich Richtung Frost. Und
tagsüber, selbst wenn die Sonne raus kommt, ist meist ein Pulli angesagt. Wirklich ein feucht-kaltes
Jahr.
Mit dem Regen und der Kälte sind die Pilze gekommen. Wo wir vor einer Woche noch (fast) erfolglos
gemeinsam gesucht haben, gehe ich jetzt in den Wald hinter dem Haus und finde in einer Stunde einen
halben Eimer Steinpilze und Birkenröhrlinge. Genug, um eine satte Mahlzeit zu bereiten und noch
welche zu trocknen. Steinpilze satt, das ist schon ein Luxus. Der Wald hinter dem Hof ist voller
Moos und umgefallener Bäume, und die Elche haben im weichen Morast große Abdrücke hinterlassen. Der
Wald ist so wild und dicht und durcheinander, dass ich mich schon mehr als ein Mal drin verlaufen
habe. Heute auch wieder. Irgendwann habe ich dann wieder die Männer gehört, die ein Stück Wald hier
nebenan roden. 18 Motorsägen gleichzeitig, die mich seit 3 Tagen in meiner Ruhe stören. Heute waren
Sie mir willkommen... Weiss nicht, wo ich sonst noch hingelaufen wäre.
Wobei, heute war die Freude an den Pilzen nicht so groß. Im Wald höre ich Stimmen – Mist, noch mehr
Pilzesammler. Die beiden stellen sich als meine „Nachbarin“ Vallja und ihre Freundin raus. Sie mit
Stock und Eimer, die andere Alte ist aber noch fitter und kann 2 Eimer tragen. Macht 3 große Eimer
voller Steinpilze! Da bin ich wohl Anfänger dagegen...NEID!
Der Reichtum im Herbst ist so unglaublich. Natur in Fülle. Der Garten überschüttet mich mit Früchten
und Gemüse. Ich hole einfach Schnittlauch, dazu Tomaten und Gurken aus dem Garten, und mit den
Pilzen hab ich schon ein Essen. Ich habe mir angewöhnt, den Rest der Kräuter und Salat einfach in
den Komposteimer zu werfen, statt für das nächste Essen aufzuheben – es gibt schließlich mehr als
genug... Selbst von den Pilzen gibt es hier auf dem Gelände mindestens 10 Sorten, darunter
Steinpilze, Maronen, Birkenröhrlinge und Wiesenchampions. Also direkt vor der Haustüre. Wobei die
großen Mengen natürlich im Wald stehen.Ganz schön krass anders als in der Stadt, wo ich mir ein
Sträußchen Petersilie für nen Euro kaufen muss. Vor ein paar Tagen hab ich Salbei geerntet – mit der
Sense! Katha hat mir dann beim Abzupfeln geholfen – zum Glück! Halsweh kann kommen ;)
Ohne Gäste ist es (fast zum ersten Mal, seit ich hier bin) richtig ruhig auf dem Hof. Ich nutze die
Zeit, um manches aufzuarbeiten, was die letzten Wochen einfach liegen geblieben ist. Die Apfelbäume
sind noch immer brechend voll. Alleine vom Baum mit den kleinen roten Äpfeln habe ich heute, nachdem
ich alle guten aufgesammelt habe, noch 5 Schubkarren auf den Kompost gefahren. Muss sein, sonst kann
ich die Wiese darunter nicht mähen. Also koche ich Apfelmus im großen Stil, und den Rest versuche
ich, zu trocken. Mit Katharina hab ich das angefangen, auf dem großen Ofen, in 4 Etagen
übereinander. Na ja, und aus dem Rest, der sich jeden Abend neu in Kisten und Eimern stapelt, mach
ich halt auch Kompost. Bio-Apfelkompost. Morgen gibt es ja schon wieder neue Äpfel...
Bei Inga im Dorf waren schon die ersten Mäuse im Haus. War witzig, weil ich bei ihr in der Küche
saß, als die Maus ums Eck bog. Mal sehen, bis sie auch hier einbrechen. Meine Blumensamen hab ich
schon mal in Sicherheit gebracht. Allerdings wachen 6 Katzen rund ums Haus. Das sollte ja genügen.
Sie werden, für mich kaum merklich, immer größer, aber der Abstand zwischen ihnen, von der ganz
großen grauen bis zur ganz kleinen Getiegerten, bleibt irgendwie gleich. Kaum zu glauben, dass es
Geschwister sind. Die Neugierigste von allen ist immer dabei, wenn ich was mache, und jetzt, wo der
große Ofen angeheizt ist, ist sie auch mal gerne in der Wohnung und macht allerlei Unsinn. Zum
Beispiel „untersucht“ sie grade die Samen, die ich ja vor den Mäusen in Sicherheit gebracht habe.
Wobei "untersuchen" heisst, sie mit der Pfote auf den Boden zu schaufeln.
Während sie jetzt mit einer Haselnuss auf dem Boden Fußball spielt, und sich von mir die Nuss wieder
unterm Schrank rausholen lässt, höre ich es draußen scheppern. Der kleine Schwarze hat noch ein
bisschen vom Futter genascht. Als er mich durch das Fenster sieht, rast er wie bescheuert raus in
den Regen, und vor lauter Schwung kriegt er an der Scheuen nicht mal die Abfahrt.... Es bleibt mir
ein Rätsel, wie sie mal ruhig bei mir auf dem Arm hocken können, und im nächsten Moment vor mir in
voller Panik flüchten.
Was mach ich mit denen, wenn ich hier gehe? Die großen sind so scheu, die kann ich gar nicht fangen,
und die werden es bis dahin auch irgendwie schaffen. Aber die Kleinen? Und mein Hausfreund hier
zurücklassen? Das wird mir richtig schwer fallen!
In den Bäumen rund ums Haus habe ich die toten Äste ausgesägt. Die Eschen haben wohl diese
Krankheit, die alle Eschen in Europa auszurotten droht. Ich säge alles weg, was sonst aufs Dach
fällt. Spannende Arbeit, oben im Baum Äste absägen, die ich vorher an ein Bergseil festgebunden
habe. Erst, wenn es fällt, wird klar, ob ich mich nicht verrechnet hab. Einmal streift ein Ast das
Dach und erschreckt Katharina und Leone. Gut, dass es nur die Wipfel waren, das andere Ende hätte
das Dach durchschlagen...
Einige Arbeiten am Haus sind noch nicht gemacht. Noch ist der Eisenschrott im Stall, und die Stütze,
die an diese Stelle muss, steht noch nicht. Am Dach gibt’s noch einiges zu flicken, und an die
Scheune will ich noch etwas hochheben, damit das Dach wieder grade steht. Die Haustüre braucht ein
neues Schloss, die Sauna braucht noch einen Holzknauf, und der Kompost und Mist muss noch neu
gestapelt, bzw. in den Garten geschaufelt werden. Mal sehen, wann ich das schaffe, jetzt, wo
Kürbisse, Zuccinis, Tomaten und Kohlrabi in Massen reif werden und verarbeitet werden wollen.
Katharina H. hat zwar mächtig vorgelegt, aber der Garten ist einfach schneller! Dafür klappt es
jetzt mit dem Abwasser, nachdem ich mit Achim eine Sickergrube ausgehoben habe. Wundert euch nicht
über den Kamin an der Toilette, war Achims Idee, das als U-Boot umzubauen. Das Gewächshaus der
Nachbarin Larissa ist auch noch nicht fertig. Seit wir angefangen habe, es zu renovieren, war kein
Tag ohne Wind dabei! Unglaublich.
Ich hatte in der letzten Woche kein Internet – mit Absicht. Merke, dass dieses ständig im Netz
erreichbar sein mich ganz schön aus der Präsenz hier zerren kann. So geschickt das ist, schnell mal
was nachlesen, was ich grade nicht weiss, oder so schön das ist, mitten am Tag ne liebe Nachricht zu
bekommen. All das hat auch Nachteile. Das heißt aber nicht, dass ich nicht mehr erreichbar bin. Ich
lese meine Mails nur nicht mehr ganz so schnell. Man kann mich aber anrufen (theoretisch, das klappt
wohl grade nicht so gut) und die Post arbeitet hervorragend! Und SMS kommen auch gut an....
Wie lange ich noch hier bleibe? Die Frage hab ich mir auch schon gestellt. Einiges gibt es noch zu
tun, und die Ernte will ich noch - so gut es geht - versorgen. Meine Idee ist, dass ich warte, bis
das Laub von den Bäumen kommt, und ich die kleinen Apfelbäume einpacken kann. DAnn kann ich alles
winterfertig machen. Das ist irgendwann im Herbst, ich vermute im Oktober. Aber wann das sein wird,
in diesem komischen Jahr, oder ob mir hier irgendwann die Decke auf den Kopf fällt, und ich meine
Sachen packe – das weiss ich nicht....
Na ja, ein bisschen müsst ihr euch auf jeden Fall noch gedulden. Aber was schon geplant ist, dass
wir dann eine Lettland-Revival Fete machen. Mit Original-Essen, mit Bildern und mit all den
Geschichten aus diesem Sommer!!!!
Bis dahin euch erst mal einen guten Start aus den Sommerferien in die Herbst-Arbeitszeit. Ich
wünsche euch und mir noch ein paar warme sonnige Tage. Verdammt! Jawohl!
liebe Grüße aus Leinischki
Martin
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Martin Hirschbühl
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tel: ++49 (0)176 - 6336 0323
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