Betreff: Martins Weihnachtsgruesse aus Russland Von: Martin Georg Hirschbühl Datum: Sat, 17 Dec 2005 08:09:21 +0100 An: 310060637462-0001@t-online.de, 520035260665-0001@t-online.de, a.hirschbuehl@gmx.ch, acmeschenmoser@lycos.de, alex_meschenmoser@web.de, andreas.hirschbuehl@balteschwiler.ch, andreas.hirschbuehl@erne.net, anke.balliel@gmx.de, anne.droste@t-online.de, anne.giesen@gmx.de, b.augenstein@gmx.de, barbara.t.m.goeb@web.de, cbschmittde@yahoo.de, chris_koch@web.de, christof.nachtigall@rz.uni-jena.de, daniel.nissen@kinderhuesli.de, david.kling@web.de, dirk.boettger@vestner.de, dirk_kammerer@web.de, droeseme@gmx.de, friedolf.lappen@web.de, goeblappen@myway.de, grabbey@uni-muenster.de, igorpunker@yahoo.com, isabel.grieder@viamat.com, julia_wiesler@gmx.de, k.hirschbuehl@web.de, marittar@web.de, michael.steven@t-online.de, mirjam.schwab@web.de, ohopfer@hotmail.com, pschoenh@uni-muenster.de, r.krause@geosens.de, robert.huber@zf-group.de, sauermagicolli@aol.com, sroelker@web.de, tanjaxmetzger@web.de, u.steiner@tu-bs.de, ulrike.steiner@gmx.de, volker@hachtel.de, webmaster@buchmillerbs.de vom Reisen und Leben in Russland so, fast 6 Monate sind um, seit wir in Freiburg aufgebrochen sind, und ich hab Zeit fuer die 2. Rundmail gefunden. Es gibt wieder einige Bilder und ein bisschen was zu lesen. Und auf das, was noch fehlt, muesst ihr halt warten, bis wir im Sommer wieder da sind. Soooo viele Eindruecke lassen sich halt nicht in eine Mail komprimieren. Wir haben es selber kaum geglaubt, aber es ist tatsaechlich so geworden: Wir haben es bis Wladivostok geschafft, Russlands spektakulaerem Hafen am Pazifik!! Gelegen auf lauter steilen Hueglen, Meer und Buchten auf allen Seiten. Doch der Reihe nach: Wir haben uns zunaechst noch den Baikal angesehen und sind halb rumgefahren. Was fuer ein besonderer See!! Hinter dem Baikal ist die Strasse oft noch mehr ein Projekt als eine Trasse, und die Russen haben uns immer wieder gewarnt: Ab hier gibt es keine Strasse mehr, nur noch eine Richtung! So sagen auch ein gaengiges russisches Sprichwort: Strasse ist da, wo sich mehrere Russen treffen, um duchzukommen! Dazu ist ab Ende Oktober der Winter eingetroffen. Zunaechst die gute Nachricht: In Sibirien ist Schnee-Garantie an Weihnachten! Und das soll bei der heutigen Klimaerwaermung schon was heissen...Winter heisst, dass es innerhalb einiger Tage von Herbst auf -20Grad wechselt, und dann auch nicht mehr warm wird. Mit jedem Grad kaelter gab es ein neues Problem: Unsere Kleidung war nicht fuer die Kaelte geeignet, und wir haben einen guten Teil der Zeit zugebracht, unsere Ausruestung auf den Russenmaerkten zu ergaenzen. Vor allem Valinkis sind hier wichtig, Schuh! e aus dickem Filz. Die sind zwar nicht wasserdicht, aber Wasser gibt es erst mal eh nicht. Dann hat das Auto so seine Macken gehabt. Gummi wird undicht oder bricht einfach, das europaeische Kuehlwasser gefriert spaetestens bei -30 (haben wir mit russischem -65C ersetzt), alle Ecken im Womo setzen Eis an - auch unter der Matratze-, bei -40 ist das Motoroel fest wie Butter, beim Schrauben gefrieren die Handschuhe am Werkzeug fest, weder Wasser noch Abwasser sind fluessig, usw... War ne recht interessante und lehrreiche Zeit. Dabei ist die blanke Kaelte eigentlich gut zu ertragen. Als das Termometer mal wieder auf 20 gestiegen ist, haben wir prompt die Grillsaison eroeffnet - so warm wird es hier schliesslich nicht alle Tage. In Wladivostok am Meer hat es jetzt nur noch 15 Grad, aber es ist ziemlich feucht und es weht permanent ein kraeftiger Wind, der einem die Traenen in den Augen gefrieren laesst. Das ist echt schlimmer als die reine Kaelte! Das richtige Verhalten in der Kaelte haben wir von den Russen lernen muessen. Feuer heisst das Zauberwort. Musst du schrauben, dann mach erst mal ein Feuer oder besser zwei. Will das Auto nicht laufen, dann mach erst mal Feuer drunter. Bleib nicht stehen, und wenn doch, dann mit - genau - Feuer. Dauert zwar laenger, ist aber immer noch besser, als Zehen und Finger abzugefrieren. Die Loetlampe, mit der ich alles wieder warm krieg, bevor ich es anfass, ist zu meinem liebsten Werkzeug geworden. Die Russen machen uebrigens sogar auf dem Eis ein Feuer! Doch hat der Winter auch sein gutes: Es gibt keine schlammige Strassen, Suempfe oder kaputte Bruecken mehr - ist eh alles Eis. So ist das Reisen eigentlich leichter geworden. Wir haben uns russische Winterreifen gekauft und fahren jetzt "einfach" ueberall drueber. Hier in Sibirien sind viele Ortschaften und ganze Gebiete sogar nur im Winter zu erreichen- Die Russen sagen Simnik dazu: Winterwege. Und solange der Schnee nicht all zu hoch liegt, ist das mit dem IFA meist machbar. Allerdings ist bei knapp 1m Neuschnee und Berghoch auch mit unserem Monster Schluss! Fragt besser nicht nach Spritverbrauch bei solchen Aktionen. Hier im Osten gelten halt andere Gesetze. 100 Kilometer sind keine Entfernung, -30Grad kein Winter und 50Prozent kein Vodka. Der Vodka heisst in Sibirien "Spirt", und sein Alkohokgehalt steigt mit der Temperatur. Unser letzter hat 96 Umdrehungen, und die kleinste Flasche, die wir von dem schwarzgebrannten bekommen haben, waren 5 Liter! Kriegt aber alles unser Auto, damit die Bremsen auch in der Kaelte gehen. Ausserdem will ich nicht blind werden - man weiss ja nie.... Eigentlich taeglich gibt es einige Kleinigkeiten zu schrauben oder zu richten. Und spannend ist so ein Plattfuss oder eine Panne hier immer. Es gibt ausser Baeren, Wildschweinen, Luchs auch noch den Sibirischen Tieger. Und der ist der groesste der Welt, ein echtes Monster. Ich war grade am Reifen flicken, da kam ein russischer Waldarbeiter vorbei und hat mir gesagt, wir sollen vorne auf dem Weg schauen, da waer ein Tieger rueber. Und tatsaechlich haben wir seine Pranken im Schnee gefunden...Laufen wir da voll Begeisterung hinter den Abdruecken durch die Taiga, immer auf der Suche nach einem guten Foto, bis mir aufgefallen ist, dass wir wohl besser zurueck zum Auto gehen. Den Tiger haben wir jedenfalls nicht gesehen - und das ist vielleicht auch besser so. Strassenbahn Waehrend in Natur ein fairer Wettbewerb zwischen Mensch und Natur herrscht, hat die russische Stadt so ihre Tuecken! Russland erfreute sich eines gut ausgebauten oeffentlichen Verkehrswesens. Das war im Sozialismus auch dringend notwendig. Heute heizt jeder Mann, der was auf sich haelt, wie Evil Knevel in einem japanischen Gebrauchtwagen ueber die vereiste Fahrbahn. Fuer Frauen, Kinder, ruestige Rentner und Wohnmobilisten, die sich nicht in den Stassenkampf ausgebildet fuehlen, bleibt da zum Glueck das, was vom oeffentlichen Nahverkehr noch uebrig geblieben ist. Die Busse in den Staedten sind meist ordentlich von 1a bis 100k durchnummeriert. Aber da es in Russland in keiner Stadt einen Plan des oeffentlichen Verkehrs gibt, sind auch die Einheimischen meist nicht in der Lage, zu sagen, welcher Bus wohin faehrt - geschweige denn, wo sie jeweils anhalten, falls man auch noch zusteigen will. Deshalb erschien uns die "Tramvaie" fuer uns wie geschaffen. Die wenigen Routen lassen sich schnell mal abfahren, um sich einen ueberblick zu verschaffen. Und das ist nicht einmal immer notwendig, da die Schinen oft 20cm aus dem Asphalt spriessen und so schon die langsam darueberhumpelnden Autos weit sichtbar anzeigen, wo es lang geht. Ausserdem sind sie noch von vor dem grossen Vaterlaendischen Krieg und damit so langsam, dass einem Zeit bleibt, das Objektiv zu wechseln, falls sich was vor die Linse schiebt. Voll Entusiasmuss steigen wir an der Haltestelle vor unserem Parkplatz in Irkutzk die 4 steilen Stahlstufen und achten darauf, nicht zu nahe an der Tuer oder dem Schliessmechanismus zu bleiben. Dieser laesst keinen Zweifel, dass er die Tuer auch bei Widerstand sicher zu kriegt. Gluecklich einen Sitzplatz ergattert, wunder ich mich ueber den kokeligen Geruch. Alles klar, meine Hose ist es! Wenn die Heizung in Russland funktioniert, dann aber richtig. Selber schuld, dass ich das "Achtung Heizung", das an der Lehne auf kyrillisch steht, weder lesen kann noch verstehe. Irgendwann wird es der Tram doch zu heiss, und alle muessen aus der kaputten Bahn aussteigen. Nicht schlimm, die naechste kommt bestimmt. Dachten wir...Nach einer Weile haben wir es dann wie die Russinnen gemacht und sind gelaufen. Neuer Tag, neues Glueck. Wir also rein in die Tram, Nr. 5 wie immer. An der naechsten Kreuzung biegt die Tram einfach ab. Auf Nachfragen erfahren wir, dass der Natschalnik (Chef) angerufen habe, und diese Tram jetzt die Linie 2 bediene. Nicht schlimm, wir wollten eh nicht weit und haben wir es dann wie die Russinnen gemacht und sind gelaufen. Auf dem Rueckweg haben wir ziemlich lange auf die 5 gewartet. Erst kamen nur 6er. Dann ein Reparaturwagen, und dann die 5. Na also. Doof, dass der Reparaturwagen genau vor uns haelt, einige Leute aussteigen, Kabel ausladen und dann mit Schweissarbeiten an den Gleisen anfangen. Die unerhoffte Pause nutzt die Schaffnerin unserer 5, um ein Huehnchen zu vesprern. Waere ja nichts dagegen einzuwenden, wenn es nicht - 15Grad haette und ein Sturm pfeift, der einem die Haut im Gesicht gefrieren laesst.Und die Schaffnerin natuerlich 50m vor der Haltestelle niemanden zusteigen lassen kann. Gut, wir wollten wissen, was der Chill-Faktor ist, und sch! liesslich sind wir in Sibirien. Aber jede Reparatur hat mal ein Ende, und so kommen wir endlich rein in die Tram. Mir war vorher nicht aufgefallen, dass in dieser Tram die Scheiben kein bisschen vereist sind, und man ausnahmsweise einen tollen Blick nach draussen hat. Beim einsteigen merke ich es sofort: Die Heizung geht kein klein bisschen, und desshalb bleibt auch die Tuere offen. Na ja, wenigstens hab ich einen guten Blick. Nach 2 (!) Stationen ein unbekannter Luxus: Eine Durchsage!! Eine Tram ist entgleist, und deshalb aendert die Tram ihre Route. Wow! Mit Begruendung! Das laesst vergessen, dass wir grade eine Stunde umsonst in der Kaelte gewartet haben. Diesmal machen wir es nicht wie die die Russinnen, sondern fragen uns nach einem Bus durch. In der Zeit waeren wir wir zwar gelaufen, aber zum Dank stehen wir in der Waerme und sehen auch noch die entgleiste Tram. So langsam ist uns alles passiert, was schief gehen kann. Und nachtragend wollen wir nicht sein. Neuer Tag, neues Glueck. Wir also rein in die Tram, die seit 1917 ihren dienst tut. 2 Stationen, dann Aufruhr im Wagon. Wiso? Wir sollen alle aussteigen, da die Tram ins Depot abbiegt. Das heisst warten, und eine neue Fahrkarte loesen, und ueberhaupt ist das ziemlich unsicher, wie auch die Russinnen wissen. Aber es sollte anders kommen! Kaum haben wir einige Minuten gewartet, da kommt schon eine Tram, haelt an, und die Kontrolloese nimmt auch unsere gebrauchten Fahrscheine an.Was soll man da noch sagen? Da kann sich die DB doch glatt eine Scheibe von abschneiden. (Und dass wir vor lauter Aufregung in die falsche Tram eingestiegen sind, war diesmal wirklich unsere Schuld) Badespass Wir sind seit einiger Zeit in frostiger Gegend unterwegs. Zwar haben wir eine bescheidene Dusche im WOMO, aber im Laufe der Monate wurde unsere Sehnsucht nach Warmem wasser immer groesser. Keine 1500 km nach Chitta ist 35km neben der Piste eine heisse Quelle eingezeichnet. Was zaehlen 35km in Russland. Da fahren wir doch einfach mal hin, uns die heisse Quelle zu besichtigen. Der abgelegene Ort in den Bergen erweisst sich als ein kleines Staedtchen mit zahlreichen chicken Sanatorien. Es dampft hier und dort aus der Kanalisation, und aus einem dicken Schlauch kommt heisses Wasser, das in Tankwagen eingefuellt wird, die mit der heissen Fracht dampfend im Ort verschwinden. Unser Weg war wohl nicht umsonst, hier muesste ein Bad moeglich sein. Doch es erweist sich als ausgesprochen schwierig, einen "Basseng" zu finden, ohne die ueberweisung vom Arzt und den entsprechenden Behandlungen werden wir nicht ans Wasser gelassen. Am Schluss landen wir in der Poliklinik, und zum Glueck ist grade Mittag. Alle aerzte sind in Moskau oder beim Essen, und so hat die Diensthabende Schwester Natascha ein Ohr fuer uns. Wir erzaehlen unsere Geschichte und druecken auf die Traenendrue! se. 15.000 km durch Russland, um die beruehmte Heilquelle zu sehen...Irgendwie versteht uns die Schwester falsch, und will uns die Anlage zeigen. Wir wuerden aber lieber im Bassein im heissen Wasser planschen... Das scheint es aber nicht zu geben. Dann fasst sich dich Schwester ein Herz, packt 2 Handtuecher ein und murmelt: "dann wollen wir euch mal waschen". Wir sind zwar nach einigem LKW-Schrauben nicht gerade sauber, und auch unsere Klamotten zeigen, dass wir keine Kurgaeste sind, aber was die Schwester meint, ist uns erst nicht so klar. Natascha schleppt uns ins Therapiezentrum. Da grade Pause ist, ist keiner da, und wir koennen die heisse Dusche und das Anwendungsbecken fuer uns erobern. Die Schwester bringt grade noch ein "nicht zu lange, wegen der Mineralien heraus", dann verdrueckt sie sich schnell und diskret angesichts unserer fallenden Huellen. Heisses Wasser kann sooooooooo schoen sein..... Das tolle Erlebnis hat uns suechtig und ein bisschen uebermuetig gemacht. Chabarowsk ist die chickste Stadt im weiten Osten, da fragen wir uns doch gleich mal nach dem oeffentlichen Bad durch. Nach einem halben Tag in der Tram stehen wir in einer Badeanstalt. Klar koennen wir hier baden, aber es gibt leider nur Monatskarten - und die sind alles andere als billig. Uns wird klar, dass wir wohl nicht so umsonst wie beim ersten mal ans wasser kommen. Aber Durchhaltevermoegen war schon so manches mal in Russland notwendig, und so fragen wir uns zum Natschalnik durch. Doch nichts zu machen, auch der laesst sich nicht erweichen. Schon halb draussen, bekommen wir dann doch noch einen Tip: Der obligatorische Tuersteher und Securityman war schon oft unser Info-Retter. Wir erfahren, dass es ganz in der Naehe ein oeffentliches Freibad (!) gebe. Ob das wohl ein uebersetzungsfehler ist? So bei 20 Grad unter Null? Egal, auf geht es in den Lenin-Sportpark. Das Gelaende ist aeusserst weitlaeufig, und in der Mitte finden wir auch das grosse Gebaeude. Allerdings ist die Glastuerenfront am Eingang fest verschlossen. Nicht aufgeben, wir umkreisen das Gebaeude im Tiefschnee, und ganz hinten, zwischen Muelleimern und anderem Schrott fnden wir die offene Tuere. Leider sind wir nicht richtig, das ist das Badmingtonzentrum. Zum Bad muessen wir um die Ecke, sagt der Tuersteher. Durch den Schnee bahnen wir uns zum naechsten Eingang. Doch auch der ist falsch, es sei noch weit, meint der dortige Tuersteher. Also wandern wir durch den Park, vorbei am Kunfuzentrum, dem Fussballstadion, der Chinesichen Botschaft (was macht die denn hier?) und so manchem Betonklotz, der hier in einer Olympiamanie erstellt wurde. Es ist schon dunkel, als wir an einem dampfenden Gebaeude, das einem grichischen Theater nachempfunden wurde, ankommen: Das beheizte Freibad gibt es wirklich, als das einzige seiner Art in Russl! and, wie uns die Frau an der Kasse mitteilt. Und es ist oeffenltich, man kann eine normale Karte kaufen, und hat ab morgen frueh wieder auf. Nur ein kleiner Hinweis der Frau, wir sollen auch nicht die Badekappe, Badeschuhe, ein Schrubbschwamm, Seife und das aerztliche Gutachten vergessen, macht uns doch noch unsicher, ob das morgen klar geht... Wir verbringen eine unruhige Nacht auf dem Parkplatz und machen uns Gedanken, was wir alles einpacken werden... Jeder richtet sein Buendel: Sandalen statt Badeschlappen, Spuellumpen statt Badeschwamm, Duschmittel. Der Impfausweis hat viele Stempel und aber nicht ein russisches Wort. Wenn das mal gut geht... Ilze bequatscht die gute Frau am Eingang. In 100 russischen Staedten haben wir schon gebadet, hier das Zeugnis der WHO. Angesichts der vielen Stempel kapituliert die Frau und schickt uns zum diensthabenden Arzt im Schwimmbad. Schliesslich - wegen der Hygiene und Kontolle der Haut und ueberhaupt - Vorschrift! Auf aerztliche Untersuchung haben wir keinen Bock. Ilze packt unsere Unterlagen und geht zum Arztzimmer. Sie ist noch nicht ganz in der Tuere, ueberfaellt sie ein russischer Wortschwall: Erst um viertel vor ist Einlass, raus. Mit einem "Sorry, do you speak English?" macht Ilze auf Touri. Die kranke Schwester stutzt kurz, stuerzt dann mit einem russischen "zieh dich aus!" auf Ilze zu, schiebt die Tuere zu und zerrt Ilze an der Jacke. Da hilft nur russisch weiter: Ilze erklaert, dass der "Musch", -ich- noch draussen warte. Also auch rein mit mir. In Ilzes Wortschwall und ueberschuettet mit fremden Dokumenten erlamt die Weiderstandskraft der groben Schwester und wir erhalte! n 2 Kontrollabschnitte, ohne uns entbloesst zu haben. Nix wie raus hier. Jetzt wird uns das System erklaert: viertel vor macht der Arzt auf - das haben wir zum Glueck schon hinter uns. Dann die Kasse. Und zur Vollen Stunde ist Einlass. Duschen bis zum Signal, dann schwimmen. Viertel vor wieder ein Signal, raus und duschen, vor die naechste Schicht kommt... Laengst daemmert uns: Russland ist Wellnessland! Genau zur vollen Stunde erscheint ein Sicherheitsbeauftragter am Eingang. "Die Herren werden eingeladen zu Baden". Ich gebe die Eintrittskarte und den Gesundheitsabschnitt ab und darf rein. War doch ganz einfach. Schuhe aus und Sandalen an, schnell weiter zur Sammelumkleide. Die Spinte haben Schnappverschluss aber keinen Schluessel. Zwischen uns Maennern patroulliert eine alte Bademeisterin, schwenkt einen dicken Dietrich, und laesst keine Zweifel ueber die Sicherheit aufkommen. Ich packe mit mulmigem Gefuehl die Kamera, Geld, Ausweis usw... in den Spint, schiebe die Tuer zu gehe den andern Maennern hinterher, vorbei an all den Duschen, durch einen dunklen Gang in einen wassergefuellten Tunnel. Als ich draussen ankomme, ist es doch irre wunderbar. Dampfendes Freibad im klirrend kalten Sibirien, mit grischischer Optik rundrum. Nur der pechschwarze Boden zeigt, dass hier nicht ganz so oft sauber gemacht wird. Aber egal, das Wasser ist super und wir planschen ausgelassen, ohne ! uns an den rausstehenden Eisenstangen oder den messerscharfen Plastikbojen zu verletzen. Ilze ist uebrigens nicht ganz so leicht reingekommen. Nach den Maennern wurden auch die Frauen reingebeten. Eine strenge Frau hat hier aber darueber gewacht, dass niemand ohne ordentlich duschen ins Wasser geht. Da bin ich ja froh ueber die Nachlaessigkeit unserer Schliessdame. Ein lautes Tuten macht uns drauf aufmerksam, dass unsere Zeit um ist und wir in die Duschen muessen. Auf geht mein Spint uebrigens ganz leicht. Ich zeige einfach drauf, und schon bahnt sich die Schliessdame den Weg durch die nackten Maenner und oeffnet mit ihrem Dietrich und einem gekonnten Dreh meinen Schrank. Uff, ist alles noch drin! Am Eingang faellt uns noch eine kleine Katze auf, die zum Inventar zu gehoeren scheint. Ob die wohl die Maeuse in der verrottenden Anlage faengt - so witzeln wir. Schliesslich ist das Hygieneueberwachungssystem hier noch sowietisch und damit fast ohne Luecke. "Nein, nein", Maeuse gebe es hier nicht, sagt uns die Frau an der Tuere, mit der Ilze noch wizzelt, "nur Ratten." Ja, jetzt sind wir erst mal an der ersten Etappe angekommen. Unser Getriebe ratscht noch immer, taeglich faellt ne Kleinigkeit aus, aber insgesammt klappt alles bestens. Weil die Natur hier ueberwaeltigend schoen ist, wollen wir erst mal ein bisschen hier am Meer entlang, und dann weiter nach Jakutzk, dort hin, wo es richtig kalt wird, und vielleicht ueber die Kolyma-Trasse nach Magadan. Da muessen wir aber erst mal rauskriegen, ob die noch fahrbar ist. Und dann wird ja schon langsam Fruehjahr und wir koennen in die Mongolei und den Altai... Der soll traumhaft schoen sein. Falls unser guter IFA bis dahin noch faehrt! Mit der Post wird das eher nix hier in Russland, so bleibt uns bis zum Sommer nur mailiger Kontakt. Schreib doch mal was sich so bewegt in der Heimat, ich freu mich drueber! Lieber Gruss erst mal und euch viel Schnee an Weihnachten (wir koennten was abgeben und auch die notwendige Kaelte dazu...) mit einer Rundmail Martin wie immer ist meine E-Post voll. Schreibt mir in dem Fall einfach an meine Adresse fuer spezielle Freunde: hirschbuehl.martin@web.de Das klappt, und nichts geht verlohren! PS: Ich schicke euch einige Bilder gepackt, ich denke, das ist leichte so. Wenn du die nicht aufkriegt, dann schreibt doch kurz, dann kann ich die auch einzel schicken... ______________________________________________________________ Verschicken Sie romantische, coole und witzige Bilder per SMS! Jetzt bei WEB.DE FreeMail: http://f.web.de/?mc=021193 Bilder.zip Content-Type: application/x-zip-compressed Content-Encoding: base64