Betreff: Neues von Martin aus Russland Von: Martin Georg Hirschbühl Datum: Mon, 06 Mar 2006 06:49:17 +0100 An: Jürgens@fmmailgate04.web.de, Christine <310060637462-0001@t-online.de>, "Steinle, Jutta" <520035260665-0001@t-online.de>, "Hirschbuehl, Andi, gmx" , "Meschenmoser, Conny und Alex" , "Meschenmoser, Alexander" , "Hirschbuehl, Andreas Geschaeft" , "Balliel, Anke" , "Droste, Anne" , "Giesen, Anne" , "Augenstein, Barbara" , Göb@fmmailgate04.web.de, Barbara , "Braun, Wolfgang" , "Schmitt, Christine" , chris_koch@web.de, "Hupe, Christian" , "Nachtigall, Christof" , "Nissen, Daniel" , "kling, David" , "Fine, Daniel" , dirk.boettger@vestner.de, "Kammerer, Dirk" , "Droesemeier, Mellanie" , "Lappen, Friedolf" , "Lappen, Barbara&Friedolf" , "Grabbe, Yvonne" , "Punker, Igor" , "Laizane, Ilze" , "Isabel, Grieder" , "Wiesler, Julia" , "Hirschbuehl, Katharina" , "Reichart, Maritta" , "Haupt, ulrike" , "Schwab, Mirjam" , "Vogel, Nora" , "Sauer, Oliver" , Schönhöffer@fmmailgate04.web.de, Peter , "Krause, Ronald, Geosens" , "Krause, Max" , "Okunik, Rene" , "Robert, Huber" , "Koch, Cristian, Web" , "Pudlatz, Meike und Gunnar" , Rölker@fmmailgate04.web.de, Susanne , "Metzger, Tanja" , "Heinrich, Ulrike" , Körner@fmmailgate04.web.de, Ulrich , "Malessa, Ulrich" , "Steiner, Ulrike" , "Hachtel, Volker" , "Buchmiller, Wasserfabrick" Magadan, am 5.3.06 Hallo ihr Lieben wieder einmal eine Rundmail - nix persönliches und keine Postkarte! Wieso? Weil ich euch schlichtweg ignoriere oder vergessen habe! Neee - ganz so schlimm ist es nicht. Aber die letzten 2 Monate waren so intensiv, dass ich es kaum als Urlaub, sondern fast schon als Reise empfinde. Und wir abends meist totmüde ins Bett fallen und ich meine fast 12 Stunden Schlaf zu Ende schlafe - so lange ist es hier nämlich noch dunkel. Also - was gibt es zu berichten? Ein bisschen über Winter und Kälte, und etwas über die GULAGs, Stalins riesiges Lagersystem. Und einiges über die unglaubliche Gastfreundschaft der Russen hier am Ende der Welt. Ich hoff, auch wenn es ganz schön lange geworden ist, ist es lesenswert. Doch der Reihe nach! Ach ja, einige Bilder häng ich wieder an - so als Kostprobe. Magadan - wo ist denn das werdet ihr euch fragen? Nun, es ist ziemlich im Norden, im Osten von Sibirien, nicht weit von Alaska am Ochotskischen Meer. 10 Stunden vor eurer Zeit. Wieso Magadan? Ausgerechnet Magadan? So fragen wir uns auch. Es ist der abgelegenste Ort in Russland, der noch mit dem KFZ erreichbar ist, die Piste dorthin ist berüchtigt und führt durch das kälteste Gebiet dieser Erde. Einsamkeit und Natur satt. Dazu ist es ein verdammt geschichtsträchtiger Ort - also für uns Gründe genug, nach Wladiwostok unser nächstes Ziel zu werden. wir sind die Stars In Wladiwostok hat uns die Presse entdeckt. Genauer: das Fernsehen. Es hat eigentlich ganz zufällig angefangen. Wir sind auf dem Parkplatz des Eisstadions untergekommen. Dürfen unsere Wasservorräte beim Chef auffüllen. Der hat grade die Presse da, wegen der Eröffnung des Eisstadions. Doch der Reporter hat mehr Interesse an uns - Ausländer, die Wasserkanister über den Platz schleppen. Es werden 2 Drehtage, wir kommen mehrfach in den russischen Nachrichten. Deutsche, die einfach quer durch Russland fahren. Und so arm sind, dass sie im Winter auf dem Parkplatz leben müssen -so der Tenor der Spots. Als wir weiterreisen, wiederholt sich das Schauspiel. 2 TV-Teams in Habarowsk, das Team in Tinda, Zeitungsreporter in Ust-Nera. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten. Die Autofahrer hupen und winken. Halten uns an und schenken uns Brot, Orangen oder wollen auch nur ein Autogramm. Ein Kind hat uns gesehen und seine Großeltern überredet, uns zum Essen einzuladen. Wildfremde Menschen reden uns mit Namen an. In einem Dorf im nirgendwo fragt Ilze einen Mann, wo es einen Brunnen gebe. Der sagt wie selbstverständlich, als er unser Auto sieht: "Fragen sie doch einfach an einem Haus. Jeder wird ihnen helfen." Und fügt dann schmunzelnd hinzu: "Man kennt sie doch!". Wir erfahren täglich die Russische Gastfreundschaft. Es scheint, als ob durch das TV eine Mauer gebrochen ist und sich die Menschen nun trauen, uns ihre ganze Freundschaft, Anerkennung und Neugier entgegenzubringen. Es ist reichlich verrückt. Nur, weil wir aus dem Ausland sind, sind wir besonders. Dass tausende russischer LKW-Fahrer die gleichen Strassen ihr Leben lang mit schlechter Technik befahren, zählt nichts. Nicht mal bei den Fahrern selber. Wir sind die Stars! Das hat noch eine andere gute Seite. Wir haben Bilder von uns abgezogen. Die verschenken wir jetzt an besonders nette Menschen. Und die Russen, egal ob Manager oder Straßenbauarbeiter, freuen sich total darüber. Wie über ein T-Shirt von Michael Schumacher. von der Maffia gejagt und den Russen verhätschelt Der Tag hat schon schlecht angefangen. Auf dem Parkplatz in Habarowsk wollte der Manager 150 Rubel für den Strom, den wir die Tage verbraucht haben. Aber er hat dann doch mit sich reden lassen. Auf dem Weg zum Supermarkt, wo wir Vorräte für die Rückreise kaufen wollen, holt uns die Polizei raus. Wieso ich bei Rot abgebogen bin? Ich sehe schon den ersten Strafzettel vor mir. Ilze reagiert cool, sagt, dass die Ampel kaputt sei. "Ach so, und aus Deutschland. Na dann gute Reise!" Noch ein kurzer Besuch bei Tanja, die wir am Meer kennen gelernt haben. Ihre Familie war so nett zu uns, wir müssen sie einfach in ihrer Studentenbude kurz besuchen. Tanja wohnt in einem dieser russischen Wohnviertel. Einheitliche Wohnblocks, lieblos nebeneinander aufgestellt und schon beim Bau halb verfallen. In den kaputten Treppenhäusern riecht es nach Urin und Rauch. Jugendliche ohne Perspektive und alkoholkranke Arbeitslose huschen durch die Gänge. Nach 2 Gittertüren geht's durch 2 Stahltüren in ihre Wohnung. In ihrem kleinen Zimmer empfängt sie uns mit einer solchen Wärme und Herzlichkeit, dass die raue Umgebung sofort vergessen ist. Wir werden mit Kaviarbrötchen und Lachs empfangen und verquatschen den Tag und die halbe Nacht. Tanja ist ein unverdorbenes Kind der Natur, liebt Rafting und das Meer. Erzählt vom Klettern und Bären beobachten. Gemeinsamkeiten ohne Ende. Als wir spät ans Auto kommen, steht das ganz schief da. 2 Reifen wurden abgestochen! In dieser Gegend können wir auf keinen Fall bleiben. Es beginnt ein 6-stündiger Montiermarathon bei ziemlich Wind und -25C. Alles hat sich gegen uns verschworen. Die Wagenheber sind eingefroren. Die Lötlampe will nicht angehen. Die Akkus der Stirnlampe sind immer gleich leer. Ich hab nicht genug Bretter, um beide Räder aufzubocken. Und eh nur ein Ersatzrad. Muss jeden Schraubenzieher nach Benutzung wieder wegschließen, alles im Auge behalten. Immer mehr seltsame Jugendliche und betrunkene Männer tauchen auf. Wollen helfen, stellen komische Fragen, klettern am Auto hoch. Irgend einer von denen hat bestimmt das Messer in der Tasche. Eine ganze Horde rottet sich zusammen. Ilze und Tanja reden mit den Männern, lenken sie ab, schaffen mir immer wieder Freiraum, dass ich weiterschrauben kann. Die Polizei taucht auf, macht aber keine Anstalten, die Leute zu verscheuchen. Tanja versucht wie wild, Freunde zu erreichen. Aber wer nimmt um 3h morgens schon das Telefon ab? Plötzlich nimmt Tanja Ilze zur Seite. Keiner darf hören, was die beiden reden. Unsere Probleme sind viel größer, als wir dachten. Nicht nur die Jungs, sondern auch die Polizei, ja wohl die ganze Gegend hier sind eine einzige Maffia. Wir haben keine Chance. Mit oder ohne Auto. Was wollen sie? Geld? Den IFA? Oder Schlimmeres? Immerhin fühlen wir uns sicherer, solange die Polizei da bleibt. Instinktiv spüre ich, dass ich meine Arbeit zu Ende bringen muss, um hier heile wegzukommen. In Angst und Verzweiflung bocke ich das Auto auf, Baue 2 Räder ab, flicke in der Kälte die Schläuche, montiere die neuen, platten Räder. Ilze steckt unsere Pässe und das Geld unbemerkt in die Unterhose. Die Standheizung geht nicht, irgendwann springt der IFA doch an, pumpt die Räder auf. Den Frauen, die seit Stunden permanent wie auf einem Drahtseil mit den Männern quatschen, ist noch kälter als mir. Irgendwann sind wir startbereit. Der Morgen dämmert, ein Freund von Tanja taucht auf, Sascha, 35 Jahre alt, unscheinbar. Plötzlich sind alle weg. Die Besoffenen, die Maffia, die Polizei. Sascha sagt, wir sollen ihm hinterher. Ich weiß nicht, wer er ist, ich weiß nicht, woher er kommt. Ich weiß nicht, was er im Auto liegen hat. Ich weiß nicht, wohin er uns bringt. Ich habe nicht mal bemerkt, dass alle andern weg sind. Ich spüre nur, dass ich Sascha vertrauen kann. Blind vertrauen, wie selten einem Menschen. Ich tue, was er sagt. Fahre mit den beiden Frauen hinter ihm her, durch die ganze Stadt. Die Sonne scheint, als wir in einem großen Farbrickgelände ankommen. Im Büro, das eigentlich eine Baracke ist, gibt es erst mal Kaffe und Kekse. Wir essen und reden, ohne richtig da zu sein. Sascha sagt, wir sind in Sicherheit. Alles wird gut. Wir können auf dem Gelände bleiben, bis alle Reifen richtig repariert sind. Gott hat uns einen Engel geschickt. Total am Ende pennen wir im eiskalten IFA ein. Sascha stellt sich als ein Millionär heraus. Gehört zu den Oberen von Westsibirien. Kennt alle wichtigen Leute in einem Gebiet so groß wie Europa. Ist in der richtigen Maffia organisiert, nicht so Pupser, die Reifen aufstechen. Und er hat eine Familie, die an Gastfreundschaft alle in den Schatten stellen, die wir bisher in Russland kennen gelernt haben. Wie selbstverständlich pennen er und seine Frau Natascha auf dem Boden, damit wir uns in ihrem Bett ausruhen können. Oma backt für uns Kuchen, die Kinder zeigen uns die ganze Fabrik. Natascha kocht schnell zwischendurch was für uns zum Essen, während sie von einem Geschäft zum nächsten Eilt und ihre Mitarbeiter kontrolliert. Sascha organisiert in Hintergrund einen Reifenflicker, Strom fürs Auto, Presse und Polizei, eine Abreibung für die Maffia, denkt einfach an alles. Und hilft mir nebenher, die schweren Monster durch den Hof zu rollen. Ist jeden Abend genauso ölverschmiert wie ich. Bevor wir abreisen, werden wir über und über mit Geschenken überhäuft. Selbstgemachte Marmelade, Parfüm, Beeren, Kleider.... Es waren kaum 48 Stunden, aber die Herzlichkeit, die wir in dieser Familie erleben dürften, hat uns zu Freunden gemacht, über alle Grenzen hinweg. Und während der Talismann von Tanja im Cockpit baumelt, schwebt über uns die Prophezeiung von Sascha, in Zukunft von der Polizei und der Maffia sicher zu sein. Bisher hat er recht behalten. Immer wieder sind wir die Vorkommnisse durchgegangen. Wir haben einfach Scheiß gebaut. Sind nach unserer anfänglichen Paranoia durch die Freundlichkeit der Menschen zu unvorsichtig geworden. Aber wir haben dazugelernt. Jetzt suchen wir eine neue Balance - Vorsichtig sein, und dennoch für die Gastfreundschaft der Menschen offen sein. Denn ohne die Hilfe der Menschen können wir in diesem Land nicht reisen. "Es ist jetzt nicht mehr kalt" Seit wir nach Wladiwostok am Meer entlangfahren, hören wir diesen Satz. Anfang Januar war wohl irgendwann dieser einzige kalte Tag in Russland. Seither hat die Kälte nachgelassen. Seither ist schon ein bisschen Sommer. Seither ist alles nicht mehr so schlimm. So jedenfalls die Russen. Tatsache ist, dass wir seit Wladiwostok etwa 6000 km auf Eispisten gefahren sind. Je weiter wir nach Norden und vom Meer weg kamen, um so kälter wurde es. Nach -20 am Meer war es in Gebiet von Primorie an der Chinesischen Grenze dann -30. Eine Temperatur, die sich noch ganz gut ertragen lässt. Deshalb haben wir uns auf dem Rückweg nach Europa kurzerhand entschlossen, noch einen Abstecher Richtung Jakutien einzulegen. Wir sind Richtung Norden gefahren, und die Nächte waren immer so um die -40. Keine Probleme mit dem Ifa. Also weiter nach Jakutzk, der Hauptstadt der Kälte. Als wir nach über 1000 km und 5 Fahrtagen ankommen, liegt ein Eisnebel über der Stadt, so dass man keine 2 Meter weit sieht, die Kamine rauchen, alles ist unter Eis und Frost begraben. Aber alles im Butter, die Kälte hat ja nachgelassen! Jetzt sind es nur noch so -45 Grad, und wenn der Nebel verschwindet, steigt die Temperatur sogar auf über 40 - Frühling in Jakutzk. Pol der Grausamkeit Von Jakutzk nach Magadan führt die Kolyma-Trasse. Jene berüchtigte Strasse, die durch die Gold, Uran, Wolfram und Antimongebiete von Sibirien geht, und die ab 1930 von Magadan aus errichtet wurde. Erbaut wurde das Imperium Kolyma von 15 Mil. Häftlingen, Verbannte von Stalin und dessen Nachfolgern. Mit bloßen Händen haben Sie diese Trasse und die Stollen in die 500m tief gefrorene Erde gegraben. Bei Temperaturen bis -60C. 2000 km Blut und Tot. Abends hat der Lagerarzt die erfronen Zehen und Finger mit der Zange abgezwickt. Wer nicht mehr konnte, wurde ersetzt. Alleine für den Bau der Trasse starben 100 Menschen pro km. Man hat sie einfach in den Schotter gelegt. So ist das Gebiet um Kolyma nicht nur der Kältepol der Erde, sondern auch zum Grausamkeitspol Russlands geworden. Jetzt ist alles verkommen. Die Strasse wird kaum noch befahren. Die Orte sind verlassen. Nur noch die eingebrochen Brücken, durchwühlte Erde, verfallene Wachtürme und zerstörten Baracken erzählen vom unendlichen Leid dieser Gegend. Es ist Mitte Februar, wir wissen nicht, wie kalt es nachts wird. Unser Thermometer hört bei -50 auf... Die Kälte hat uns im Griff. Der neue Lack fällt in Platten ab. Stromkabel und Schläuche brechen, sogar Kleinteile aus Guseisen. Im Cockpit wird es den ganzen Tag kaum über 0 Grad. Jedenfalls ziehen wir morgens so ziemlich alles an, was wir haben, auch wenn wir nur für ne Sekunde rausgehen. Am kältesten ist immer Morgens, wenn ich für ne Stunde rausgehe, um das Auto anzuwerfen. Wir haben es probiert, es wie die Russen zu machen. Die machen das Auto nie aus. Nie. Aber die ganze Nacht das Gewackel. Immer mit einem Ohr den Motor hören. Jede Nacht 20 l Diesel für nix durchblasen. Da ist es mir lieber, morgens ein bisschen Händel zu haben, bis der Motor läuft. Jeden Morgen ein Gebet, wenn ich die Lötlampe anwerfe, deren Griff mir sofort an der Hand festfriert. Ohne Brille muss ich arbeiten, das ist das schwierigste. Den die friert mir in Sekunden zu. Aber unser Ifa startet nach einer Stunde vorwärmen und streicheln mit der Lötlampe jeden Morgen. Bollert einfach los, so als wäre es nicht kalt. Scheppert und kracht, und hat sich nach einigen Minuten eingelaufen. Ilze räumt solange die Bude auf, versucht das Eis in den Ecken und unter dem Bett zu bekämpfen und das Abwasser durch den gefrorenen Schlauch zu kriegen. Die Kolimatrasse geht durch mehrere riesige Gebirgszüge. Die Landschaft ist so besonders - unwirklich - unbeschreiblich- steile Berge unter rosa-blassem Himmel - durchwühlte Erde, Lärchenkrüppel, klein und spitz, von der Natur gezeichnet. Steile Eisflüsse und vereiste Pässe. Manchmal liegt irgendwo da unten ein LKW auf dem zugefrorenen Flussbett, zwischen den türkisblauen Hügeln, die das aufdrückende Wasser gebildet hat. Manchmal begegnet uns ein kleiner Konvoi - vereiste Allrad-LKWs auf dem Weg von irgendwoher. Die Fahrer winken freundlich - in diesem Gebiet ist jeder Mensch ein Freund. Wenn man anhält, stets die Frage: "Alles in Ordnung? Braucht ihr Hilfe?" Es werden Angaben über die Straßenzustände oder auch Orangen ausgetauscht. Dann geht es weiter, tagelang durch die einsame Wildnis. Sich verfahren ist nicht möglich - es gibt nur eine Piste in den Berghängen. Längst haben wir uns daran gewöhnt, auf Eis zu fahren. Seit Chitta, vor über 10.000 km, bin ich nur auf Eis und Schnee unterwegs. Pässe hoch und runter. Über zugefrorene Flüsse. Manchmal hat ein LKW-Fahrer den Straßenrand aufgebuddelt und einige Schaufeln Erde in die Kurve geschmissen. Manchmal auch nicht. Dann kommen sie uns schleudernd mit ihren riesigen Geschossen entgegen. Oder liegen schon irgendwo da unten am Straßenrand. Tausende von km ganz langsam, oft im Schrittempo. Aber wir wollen ja heile ankommen. Kolyma - da gehört einfach alles zusammen. Ein einzigartiges, tief beeindruckendes, unbeschreibliches Erlebnis. Magadan Als wir in Wladiwostok ankamen, da haben wir die Musik voll aufgedreht. In Siegerlaune sind wir durch die Stadt gerast, bist vorne ans Meer. Haben Champus getrunken. Magadan zu erreichen ist für uns nicht weniger ein Erfolg als Wladiwostok. Aber dennoch ist alles anders. Vielleicht, weil wir wissen, dass wir die gleiche einzige Trasse wieder zurück müssen. Vielleicht, weil hier jeder Stein und jeder Balken von einem Häftling erbaut wurde. Vielleicht hat uns die Reise durch das größte Konzentrationslager der Erde nachdenklich gestimmt. Vielleicht stecken uns immer noch die Erlebnisse in Habarowsk in den Knochen. Ich weiß es nicht. Leise und vorsichtig fahren wir in den Teil der Stadt, der noch funktioniert. Suchen uns einen Parkplatz. Genießen die Sonne und mit -15 die wärmste Temperatur sein vielen Monaten. Leben im Auto, reden viel, lesen über Kolyma und gehen in Museen. Eine Woche verdauen und abschalten. Erholen uns bei menschlichen Temperaturen. Rückreise Morgen werden wir das Auto für einige Tage in eine Halle stellen, die uns ein netter Russe zur Verfügung stellt, und fit für die Rückreise machen. Besser nicht so viel auf der Trasse schrauben müssen... Und dann geht es zurück. Tagsüber steigt das Thermometer jetzt schon überall auf mindestens 40C. Die härteste Zeit ist vorbei, die Tage länger. Die Eiszapfen an der Decke sind schon nicht mehr so lange, wenn wir morgens aufwachen. Irgendwann Ende April werden die Flüsse auftauen. Vorher müssen wir 3500 km zurück auf die Hauptstrasse gefahren sein. Bevor die Trasse im Morast des Permafrosts versinkt, und die Dörfer für den Rest des Jahres von der Außenwelt abgeschnitten sind. Bevor das Eis auf den Flüssen zu dünn wird. Dann wird Frühling, und wir werden im frisch getauten Wasser alles waschen. Draußen Kochen. Draußen Essen. Mit blanken Händen am IFA schrauben. Nie mehr frieren. Das wird ein Fest! Frühling hat eine richtige Bedeutung für uns bekommen. macht es gut, bleib uns gesund, und genieß den "Sibirischen Hoch-Sommer" in Deutschland - die Menschen hier sehnen uns nach so einem Wetter! wir melden uns wieder, wenn es mal Inter-Netz gibt bis dahin freut sich über ne Mail von dir Ilze und Martin - noch immer im IFA unterwegs Martin hirschbuehl.martin@web.de in Freiburg unter der Adrresse: Martin Hirschbuehl Vaubanallee 4 79100 Freiburg Tel. 0761 4098133 Hirschbuehl@web.de hirschbuehl.martin@web.de A c h t u n g: meine Mailadresse ist meistens von Werbung voll!! Deshalb besser antworten unter hirschbuehl.martin@web.de ______________________________________________________________________ XXL-Speicher, PC-Virenschutz, Spartarife & mehr: Nur im WEB.DE Club! Jetzt gratis testen! http://freemail.web.de/home/landingpad/?mc=021130 Bilder.zip Content-Type: application/x-zip-compressed Content-Encoding: base64