Betreff: Russland und Mongolei, Teil 1 Von: Martin Georg Hirschbühl Datum: Sat, 03 Jun 2006 09:23:31 +0200 An: "Jürgens, Christine" <310060637462-0001@t-online.de>, "Steinle, Jutta" <520035260665-0001@t-online.de>, "Hirschbuehl, Andi, gmx" , "Meschenmoser, Conny und Alex" , "Meschenmoser, Alexander" , "Hirschbuehl, Andreas Geschaeft" , "Balliel, Anke" , "Droste, Anne" , "Giesen, Anne" , "Augenstein, Barbara" , "Göb, Barbara" , "Braun, Wolfgang" , "Schmitt, Christine" , chris_koch@web.de, "Hupe, Christian" , "Nachtigall, Christof" , "Nissen, Daniel" , "kling, David" , "Fine, Daniel" , dirk.boettger@vestner.de, "Kammerer, Dirk" , "Droesemeier, Mellanie" , "Lappen, Friedolf" , "Lappen, Barbara&Friedolf" , "Grabbe, Yvonne" , "Punker, Igor" , "Laizane, Ilze" , "Isabel, Grieder" , "Wiesler, Julia" , "Hirschbuehl, Katharina" , "Reichart, Maritta" , "Gempp, Martina" , "Haupt, ulrike" , "Schwab, Mirjam" , "Vogel, Nora" , "Sauer, Oliver" , "Schönhöffer, Peter" , "Krause, Ronald, Geosens" , "Krause, Max" , "Okunik, Rene" , "Robert, Huber" , "Koch, Cristian, Web" , "Pudlatz, Meike und Gunnar" , "Rölker, Susanne" , "Metzger, Tanja" , "Heinrich, Ulrike" , "Körner, Ulrich" , "Malessa, Ulrich" , "Steiner, Ulrike" , "Hachtel, Volker" , "Buchmiller, Wasserfabrick" aus OMSK, nur noch 2000 km von Europa entfernt... Achtung! Hier kommen nur die Bilder von Russland aber der ganze Bericht... In der Zweiten Mail die Bilder der Mongolei. die Landschaft ist so wunderbar schoen, ich konnte nicht die haelfte aussortieren... Hallo ihr lieben Da bin ich wieder, mit einer weiteren Rundmail. Zur Orientierung: das letzte Mal habe ich mich aus Magadan gemeldet, aus dem Zentrum der Kдlte. Von Magadan sind wir Anfang Maerz Richtung "nach Hause" aufgebrochen. Also Richtung Westen und Richtung Sueden. Wir sind die 5000 km Eispiste zurueckgekrochen, und wieder am Baikal, der zugefrohrene Perle Sibiriens angekommen. April heisst dort noch immer -30C. Von Ulan Ude haben wir uns ein Visum fuer die Mongolei geholt, und sind nochmals soviele Kilometer kreuz und quer durch das Land Dschingis Kahns gefahren. Jetzt sind wir zwischen von Novosibirsk und Omsk, und uns trennen nur noch 2000 km vom Ural, und damit der magischen Grenze, wo der ADAC fьr alle Sorgen aufkommt, und unseren IFA und uns im Zweifelsfalle auf Watte nach Hause bringt! Bald haben wir es also geschafft. Doch vorher noch einige Eindrьcke aus dem weiten Norden Russlands und dem Lande Dschingis Kahns! Stojanka mit Gasmaske Einige Male haben wir uns oben im Hohen Norden eine "Toply Box" gegцnnt. Das ist eine mehr oder minder beheitzte Halle, in der wir ungestцrt unsere Reparaturen machen konnten. Es ist einfach so viel entspannter, bei -5 oder -10 das Motorцl abzulassen, als bei -45 mit dem Draht die Fettstьckchen aus dem Motor zu popeln.... Am wichtigesten war es uns aber, in Tinda in der Warmbox unsere Lackierung zu erneuern. Nachdem uns die in einer kalten Nacht wie eine schlecht angeklebte Platte abgefallen war, haben wir den ersten Regen und damit Rost auf dem blanken Wohnkoffer befьrchtet. Nun, wir hдtten noch Zeit gehabt, da erst ende Mai das Termometer so gestiegen ist, dass statt Schnee auch mal Regen vom Himmel kommt. Nix desto Trotz haben wir fleissig den zwischen die anderen LKWs reinbuxiert und abgeschliffen. Zwischendurch lдsst schon mal einer der Fahrer seinen Kras oder Ural an, die beide fast ein Liter auf einen km verbrauchen. Nach wenig en Sekunden sieht man dann gar nix mehr in der Halle und Ilzes Verbleib erkenne ich nur noch am Husten. Russen scheint das aber nix auszumachen, sondern die lassen mal locker den Motor drinn warmlaufen. Wenn der Qualm all zu schlim wird, dann zьnden sie sich kollektiv eine Zigarette an, und lassen die Vodkaflasche kreisen... Wir haben uns deshalb цfters ьberlegt, ob wir nicht besser draussen schrauben - nдchstes Mal nehmen wir jedenfalls Gasmasken fьr die Ьbernachtungen mit. Hauptsache besoffen Es gibt ja dieses Gerьcht, dass Russen immer besoffen sind. Leider stimmt das wirklich fьr einen grossen Teil der Russen ьber 15 Jahren, und besonders im hohen Norden. Wir haben manchmal am Vormittag in einem Dorf nicht einen Menschen gefunden, der so wenig besoffen war, dass er uns den Weg hдtte zeigen kцnnen! Russen saufen alles, was brennt und drцhnt. Also auch Badewasserzusatz, Fensterreiniger und Bremsflьssigkeit (!). Die Gourmets unter den Fahrern haben aber so ihre Rezepte, wie die oben genannten Alkoholika noch verbessert werden kцnnen. Im Winter braucht man eine dicke Eisenstange und -50Grad. Dann kippt man die Bremsflьssigkeit, den Fensterreiniger oder das Badewasser einfach von oben langsam ьber die Stange. Alle Komponenten frieren am Eisen fest, und unten lдuft eine klare Flьssigkeit raus - "reiner" Alk. Im Sommer kann man einige Bьchsen Klebstoff mit einem Holzstiel langsam rьhren, bis sich der gesamte Klebstoff am Stiel gefangen hat. Zurьck bleibt eine klare Flьssigkeit... Das ist alles viel billiger als Vodka, da die Betriebsmittel ja vom Betrieb, also meist vom Staat, bezahlt werden. Zur Sicherheit trinken sich die Russen vor der Fahrt mit Wodka fit. Wir haben das nicht verstanden, und deshalb hat man es uns genau erklдrt: Nur im stark angeheiterten Zustand finden die Fahrer die Lдssigkeit, angemessen langsam zu fahren, und um sich mal kurz aufs Ohr zu hauen, wenn es nцtig ist... Die vielen Wegkreuze - alle von eingeschlafenen nьchternen Fahrern - bezeugen doch, wie gefдhrlich es ist, sich ohne Schutz dem Termindruck zu stellen. Wie die Russen so eine Reise planen wьrden.... Immer wieder werden wir auf unserer Fahrt mit den gleichen Fragen und Annahmen der Russen ьber unsere Reise konfrontiert. Ja, die Fragen im Stil "Ihr habt doch sicher...." oder "ihr macht doch sicher..." und die Hilfsangebote wiederholen sich mit einer solchen RegelmдЯigkeit, dass wir aus ihnen rekonstruieren kцnnen, wie die Russen so eine Reise machen wьrden und wie sich sich vorstellen, wie wir so reisen. Das erste: ьberhaupt nicht! Und wenn, dann als Geschдftsreise. Klar, dass wir fьr so eine weite Reise einen dienstlichen Auftrag, die sogenannte "Kommandirovka" haben. Das Auto und unser Etat ist natьrlich vom Boss gestellt, - wie und wieso sollte man sich so ein Geschoss auch privat kaufen. Und da ich ein Auto fahren kann, das groesser als ein Fiat Bambino ist, bin ich logischerweise berufsmдssig Chauffeur. Nebenbei wird das Auto mit den Aufklebern aller Sponsoren beklebt - schlieЯlich ist unsere Reise ein weltweit einmaliges Unterfangen und ESSO, IFA und ADIDAS sind brennend daran interessiert, ihren gesamten Werbeetat an uns zu verbraten. Wenn wir zurьckkommen, dann wartet schon die gesammte europдische Presse auf uns, um ьber TV, Radio und Zeitung die unglaubliche Tat zu verbreiten. Und selbstredend wird ьber die Reise ein Buch geschrieben, von dessen Tantiemen es sich luxuriцs bis ans Lebensende schwelgen laesst. Ganz zu schweigen von der Verцffentlichung unserer Dokumentarfilme, die wir mit der Videofunktion unseres Handys gedreht haben. Selbstverstдndlich wird eine solche Reise genau vorgeplant und vorher gebucht. Also Montag bis Mittwoch in Moskau, dann schnell 3000 km fahren, Freitag bis Sonntag in Novosibirsk... Jedes Ziel ist sorgfдltig ausgewдhlt und mit den Bekannten vor Ort besprochen. Seit 6 Wochen telefonieren wir jeden Tag mit ihnen und kurz vor der Stadt schrumpfen die Intervalle zwischen den Telefonaten auf wenige Minuten. Sie holen uns immer am Ortseingang - besser noch 600 km vor dem Ortseingang - ab und fahren uns vorraus zum einzigen bewachten Parkplatz, den wir niemals alleine gefunden hдtten. Dann geht es mit dem Taxi weiter zum besten Hotel, wo wir uns schnell frisch machen, um dann die ganze Nacht von einer Kneipe zur nдchsten zu ziehen. Der Wodka dieser Stadt ist ja auch absolut einmalig und muss unbedingt intensivst genossen werden. Am nдchsten Tag ist Stadtbesichtigung mit der Delegation vor Ort. Wir fahren alle Bergspitzen der Umgebung ab und machen von jedem Aussichtspunkt vom Auto aus ein Photo. Dazu ein Glдschen oder drei Vodka, wir werden ja gefahren. Der Fahrer kennt sich zum Glьck aus und findet auch nach dem Anstossen den nдchsten Zielpunkt. Zwischen jedem Aussichtspunkten geht es zur Stдrkung jeweils in ein Restaurant, schnell mal Kaviar und Sekt naschen. Abgerundet wird die Fahrt durch einen kurzen Stop bei allen Ortseingangsschildern, die die Stadt zu bieten hat. Falls wir mal Schwirigkeiten haben, brauchen wir einfach dem Bьrgermeister, dem Gouvernoer oder dem Prдsidenten Bescheid sagen, dann klappt alles wie am Schnьrchen. Wir fahren, wie die Russen - und das nicht nur im Urlaub - meistens 30 Stunden pro Tag, und dann die Nacht noch dazu. Dabei bewegen wir das Auto mit einer Geschwindigkeit von mindestens 200 Sachen ьber die Schlaglochpiste. So kommen schon mal 700 km am Tag zusammen. (da kann man mal ausrechen, wie viel Stunden mit Reparatur so liegen bleiben....) Schliesslich mьssen wir vor dem Anhalten in der nдchsten Stadt angekommen sein. Und die ist in Russland gerne mal so weit wie von Rom nach Oslo. Drum sind fьr einen Russen auch nur 2 Dinge wichtig am Auto: Wie viel PS? Und 4WD - also Allrad. Die Spezialisten fragen auch schon mal nach den Blokirovka, den Diff-Sperren. Lack und Komfort ist egal. Zurьck zu unserer Diesntreise. Natьrlich fahren wir nicht alleine, sondern im Konvoie. So kцnnen wir viel цfters Pause machen, weil an einem der Fahrzeuge was kaput ist. Ein kleines Nickerchen, dann schnell ein Feuer machen und einen Tee zu kochen. Wenn der Reifen geflickt oder gleich die ganze Achse ausgewechselt ist, geht es weiter. Ausserdem kцnnen wir uns von den anderen LKWs im Konvoie immer wieder auf die Stasse zurьckziehen lassen, wenn wir doch mal ne Kurve nicht gekriegt haben oder unser Auto umgekippt ist. Und wenn mehr als ein Auto unterwegs ist, dann ist ja auch mindestens eines grade so kaputt, dass es von einem anderen gezogen werden muss. Im Konvoie fahren wir mцglichst dicht aufeinander, damit wir die eintцnige Landschaft nicht so sehen mьssen. Die sehen wir ja eh nicht richtig, weil der letzte Steinschlag ein nettes Spinnengewebe ьber die Windschutzscheibe gelegt hat. Auch der Luftfilter ist so sch neller voll, was zu einer netten Pause fьhrt... Gemeinsam stehen wir dann alle am Strassenrand, pissen in die untergehende Sonne und rauchen eine. Fьr eine Reise braucht es selbstverstдndlich eine passende Ausrьstung. Also ein Jagdgewehr oder ein Schrotgewehr, je nachdem, ob eher Grosswild oder Kleinwild an der Stasse erwartet wird. Dazu einen "Automaten", also eine Kalaschnikow, gegen die Banditen. Die liegt auf dem Beifahrersitz. Und als persцnliche Ausrьstung und fьr die eigene Sicherheit eine Pistole in die Hose. Alle paar km wird dann angehalten und mit allen dreien auf das nдchste Verkehrsschild geballert um sicher zu sein, dass man auch noch gut trifft. JEDES(!) Verkehrsschild in Russland eignet sich deshalb hervorragend als Teesieb. Weiterhin gehцrt zur Ausrьstung eine Kiste Vodka, eine Bьchse Tuschonka und ein Satelitentelefon. Bei einer Panne braucht es ein Feuer fьr aussen und den Vodka fьr innen. Tuschonka ist Bьchsenfleisch, unserem Chappi nicht unдhnlich. Mit Kartoffeln kann man daraus stets eine Mahlzeit zaubern, wenn das Jagdglьck nicht hold war. Und ohne Satelitentelefon geht man eh nicht aus dem Haus, schlieЯlich ist der Handyempfang nur direkt vor dem Hauptpostamt zuverlдssig. Somit kann man jeden Abend mit seinen lieben zuhause und mit all den Menschen, die man bisher auf der Reise getroffen hat, telefonieren. Unser Tank fast nur 500 Liter - wenig fuer ein Auto solch einer Groesse, da das ja nur wenige hundert km Reichweite bedeutet. Deshalb haben wir noch schnell ein Blechfass mit einigen tausend Liter hinten auf die Pritsche gestellt. In den Wohnmobilkoffer haben wir 5 Dinge einbauen lassen, um eine so lange Reise zu ьberstehen: Einen Holz-Kanonenofen gegen die grimmige Kдlte, einen Gaskocher, um jederzeit Chai kochen zu kцnnen, und 3 TV-Gerдte. Na so viel zur Nachlese aus dem Hohen Norden. Alles wird gut - unsere Reise in die Mongolei Endlich Sommer!! Der Baikal begrьsst uns im Aprill mit frostigem Wetter. Er ist immer noch 1-2 m steinhart zugefrohren. Zum Gleuck haben Fischer ein Loch ins Eis gebohrt, so dass wir wenigstens an das Trinkwasser rankommen. So schoen es ist, am Baikal zu stehen - das wird bei -30 C nie ein Campinklassiker. Also fahren wir weiter in die Mongolei, immer weiter in den Sueden. Kaum sind wir ьber der Grenze, ist das kalte aber sonnige Wetter Russlands zu Ende. Hinter der Grenze gibt es nдmlich Schneesturm, dass die Bude wackelt. Am ersten Tag geraten wir in so ein Schneechaos, dass wir uns erst mal ein Plдtzchen in der weissen Pracht suchen, und auf den nдchsten Tag warten, um nach Ulan Batar - der Hauptstadt Mongoliens - weiterzureisen. (warum hat uns vorher keiner gesagt, dass Ulan Batar die kдlteste Hauptstadt der Welt ist?) Sonst gefдllt uns die Mongolei aber wunderbar, weite Berglandschaften, ьberall stehen Jurten und Herden mit Pferden, Yaks un d Schafen besprenkeln die Landschaft. Ulan Batar (von allen UB genannt) prдsentiert sich uns als moderne Stadt im 21 Jhd. Jeden falls scheint es in der Innenstadt alles zu geben, Banken, Kaufhдuser und moderne Hotels. Selbst in der Innenstadt gibt es allerdings ьberall Jurten, und der Stadtrand ist ein weisses Meer aus lauter Zelten. Mich erinnern die budistischen Tempel sehr an die in Tibet, super klasse. In Ulan Batar treffen wir die Familie von Ghana, einer mongolischen Дrztin, die in Berlin lebt, die ich vor einigene Jahren in Tibet kennengelernt habe habe. Die Familie ist sehr nett und zeigt uns einiges in der Stadt. Vor allem erfahren wir so vieles ьber die Lebensgewohnheiten der Mongolen. Super, dass alle in der Familie Deutsch oder Russisch kцnnen. Nach einigen Tagen in UB steht unser Plan: Alle Berge - besonders den Altai - , die Wьste Gobi und die Steppen wollen wir abfahren. Mongols are shy by nature Wir haben ausser dem groben Stadtplan, den wir in einem Hotel bekommen haben, gar keine Info ьber die Mongolei. Aber in einem Buchladen werden wir fьndig. Ein Reisefьhrer. Am besten gefдllt uns der Satz: Mongols are shy by nature! So habe ich mir es vorgestellt: Ein Land mit zurьckhaltenden, hцflichen, gastfreundlichen und immer lдchelnden Buddhisten. Ein Land mit viel Einsamkeit und Platz zum sich erholen - nichts ist falscher als das! Die Mongolen erweisen sich als frech, aufdringlich und so was von neugierig, wie ich es selten erlebt habe! Sie klettern ungefragt in unser Womo, fummeln alles an und machen alle Schrдnke auf. Und das alles mit einer unbewegten, mьrrischen Mine - ohne auch nur den Versuch, Kontakt mit uns zu knьpfen. Oft kommen sie von ewig weit hergerannt oder hergefahren, um uns zu beehren. Einmal steigt wieder ein ungebetener Gast auf unsere Treppe, und ich mache die Tьre auf, da wegsehen be i diesem Volk nichts nutzt. Zur Begrьssung greift der an die Pistole. Jetzt reichts mir, ich knalle ihm die Tьre vor der Nase zu. Immerhin scheint er zu verstehen und trollt sich von dannen. Ob Kind, ob Mцnch oder Oma - ьberall sind die Normaden versteckt, beobachten interessierter unsere Ankunft in der unberьhrten Natur als ihre Herden mit ihner Fernglдsern und machen sich dann sofort auf den Weg, um uns zu begrьssen - oder besser, unser Auto zu inspitzieren. Eine Kontaktaufnahme ist eigentlich nicht mцglich, da die Landbevцlkerung weder Russisch noch Englisch kann, und das Mongolisch fьr uns so schwer und ungewohnt ist, dass wir es kaum auf mehr als auf Hallo bringen. Auch die Gesten scheitern. Einmal haben wir einen Anhalter mitgenommen, einen дlteren Mann, der einen Kanister Milchschnaps zum nдchsten Markt birngen will. Der Mann fuchtelt in alle Himmelsrichtungen, um mir zu zeigen, wohin er will. Ic h kapiere nichts. Nach einer Weile klappt es besser. Sitzt er ruhig da, stimmt die Richtung. Wenn der Kurs zu abweichend wird, beginnt er zu brummen und immer lauter zu knurren. Dann wechsele ich einfach die Richtung, bis unser Gast wieder leiser wird. So kommen wir auch glatt an einem Haus an, wo er dankbar aussteigt. Durch die Bevцlkerung, die wir zu einem guten Teil als recht bedrohlich, jedenfalls als nicht freundlich gesonnen empfinden, wird die Mongolei noch eher anstrengender als Russland. Ausgeraubte und ermordete Touristen un UB, komische Warnungen des deutschen Botschafters und eine Jдhzornigkeit, die sich in der hцchten Mordrate aller Lдmder dieser Welt дuЯert, helfen auch nicht dabei, uns wohler zu fьhlen. Nein, was einen GroЯteil der Bevцlkerung betrifft, ist die Mongolei eine herbe Enttдuschung. Die Strassen sind hervorragend Ьber schlechte Strassen kann man sich wirklich nicht beschweren in der Mongolei - alles geteert und super zu befahren. Leider gibt es nur einige hundert km davon - die restlichen 40.000 km sind einfach keine Strassen und auch keine Pisten. In der Mongolei wird einfach kreuz und quer druch die Steppe und die Wьsten gefahren! Ganz schцn krass! Raus aus dem Dorf, und dann geht es auseinander. Jeder sucht sich seinen Weg durch Bьsch und Felsen, wo er ihn am besten findet. Erst nach vielen hundert km, wenn ein Fluss, ein Bergzug oder auch ein Dorf kommt, laufen die vielen Spuren wieder zusammen, um an einem Punkt rauszukommen. Grob die Richtung halten, und die Berge beobachten. Immer wieder steigen wir aus, um mit dem Kompass zu peilen. Dann unsere 4 Karten befragen, Berge und Schluchten vergleichen und die Karte raussuchen, die am besten zu unserer Spur passt. Ziemlich gewцhnungsbedьrftig am Anfang. Aber wir werden immer besser und finden uns s icherer im Spurenchaos zurecht. Manchmal fahren wir 20 oder 50 km einfach querfeldein, an Jurten und Herden vorbei und durch Bдche oder ganze Gebirgszьge, bis wir wieder auf eine Spur treffen, die besser fuer uns passt. Freiheit auf 4 Rдdern. Der Ifa ist am kдmpfen und am quietschen, der Spritverbrauch steigt von 20 auf 35 l auf hundert km. Oft fahre ich einen ganzen Tag im 1. Gang, in Schrдglagen, dass Ilze neben mir einen Meter hцher ist als ich, oder unser Heck auf dem Boden kratzt. Abens ist buntes Chaos im Auto. Aber unser Womo macht alles mit: Tiefsand, ьber Felsen klettern, durch Bьsche und Graslandschaften, Flussbetten runter und wieder hoch. Er bricht sich seinen Weg durch das alte Eis des Winters und pflьgt durch Neuschnee. Freiheit und Abenteuer fьr Genieeser. Und im Sommer ein Motochrossland, in dem jeder Mopedfahrer auf seine Kosten kommt. An jeder Ecke ein Bildband Wofьr die ganze Plackerei und Schinderei? Ganz einfach: Die Mongolei ist so was von spektakulдr unglaublich schцn, wie ich es noch nie gesehen habe. Alle paar km wechselt die Landschaft: weite Grasssteppe, Salzwьsten, Markante Felsen, riesige Sandьnen, 4000 m hohe schneebedekte Gipfel, Steine in allen Farben....Dazwischen rennen Gazellen, fliegen Adler und Murmeltiere und Ziselmдuse schauen aus ihren Lцchern. Wie Perlen sind ьberall die Jurten in die Landschafft geduckt, die die Einheimischen GER nennen, und deren Schornsteine noch einige Wochen qualmen werden, bevor das Frьhjahr beginnt. Herden mit jungen Pferden, Schafen und Ziegen ziehen durch die Landschaft und die Menschen reiten wie die Kцnige auf Kamelen kreuz und quer. Man kann einfach jederzeit den Fotoapparat aus dem Fenster halten, und sich sicher sein, dass es ein aussergewцhnliches Motiv geworden ist. Unglaublich. Immer wieder fahren wir um einen Felsblock und stehen mit offenem staunenendem Mund vor der unerhцrt schцnen Landschaft. Zufдlle der Zufдlle Die harte Fahrt und die brutale Piste fordert ihren Tribut. Meine Objektive fallen einfach auseinander - und ich kriege sie trotz stundenlanger Schraubarbeiten nicht mehr zusammen. Ich bau mir aus Kabel und den Autobatterien eine Schweissanlage, um gebrochene Rahmenteile, abgefallene Spiegel, gerissene Tanks etc. wieder anzukleben. - klappt ьbrigens ganz gut! - Aber 800 km von Ulan Batar entfernt, irgendwo im Nirgendwo, in einem trockenen Flussbett zwischen dem Hangai und dem Altai - Gebirgszug ist es vorbei: die Hauptlage der hinteren Feder ist gebrochen, die ganze Achse kommt nach vorne und droht, das Getriebe einzudrьcken. Das kann ich nicht mehr alleine richten. Jetzt ist guter Rat teuer. Vor 30 km sind wir noch durch ein kleines Dorf gekommen. Mit allen Blechen und Schrauben, die wir noch im Auto haben, ziehen wir die Achse wieder nach hinten und fahren im Schrittempo ins letzte Dorf zurьck. Ilze versucht, ein Telefon und jemanden zu finden, der irgend eine Fremdsprache spricht. Mit dickem Grinsen kommt Ilze aus der Schule des Dorfes. Zufдllig ist grade eine Bildungsdelegation mit Ministern und Forschern aus UlanBatar im Dorf - die Cheffin des Projekts ist ьbrigens Carmen, so alt wie wir und aus Ravensburg am Bodensee!!! Schwein muss man haben! Ab jetzt lцsen sich alle Probleme im Handumdrehen. Nachdem wir in der Schule mit Schaf verkцstigt sind, fahre ich den Ifa auf den Hof der Schuldirektorin. Die Delegation und die Technikleherer vor Ort helfen, und im Handumdrehen ist der Ifa hochgebockt und die Feder ausgebaut. Mit der Delegation fahre ich 2 Tage zurьck nach Ulanbatar, die 2 m lange Feder auf dem Dach des Gelдndewagens. Und mit Carmen schnacke ich endlich mal wieder nach so langer Zeit in Schwдgisch ьber die Mongolei, die ьbrige Welt und das gute alte Oberschwaben. Nur im Hotel in UB schauen die Portiers etwas seltsam, als ich mein einziges Gepдck - eine &# 1094;lige, 2 m lange und recht schwere Stahlstange, in die Gepдckaufbewahrung gebe. Zufдllig gibt es in UB eine grosse Expeditions-Reisegesellschaft, die von Helge geleitet wird, und die gut 20 LKWs, auch 5 IFAs in der Garage hat. Helge ist super nett, behandelt mich mehr als Freund denn als Kunde. Er fдhrt persцnlich mit mir in seine Werkstatt, und wьhlt durch das Ersatzteilesortiment. Leide ist keine passende Feder darunter, und am einheimischen Stahlwerk ist die breiteste Blattfeder 7 cm, 2 cm zu wenig fьr den fetten IFA. Der hauseigene Schweisser - einer der besten der Mongolei, wie Helge bemerkt - nimmt sich deshalb meiner gebrochenen Feder an. Einige Stunden spдter habe ich eine soliede geschweisste Feder, mit zusдtzlicher Lage und neuer Buches - das sollte bis nach Hause halten! 20 Dollar - ein дusserst faierer Preis fьr einen Tag Cheffarztbehandlung. Eine ganz neue Erfahrung wartet auf mich fьr den Rueckweg. Unglaublicher "цffentlicher" Verkehr in der Mongolei! Auf dem Markt warte ich mit meiner Feder immer 6-8 Stunden, bis ein kleiner russischer Jeep voll ist - mit 12 Personen, Kindern und Gepдck! Dann geht es in wahnsinniger Geschwindigkeit wie bei einem Pferderennen quer durch die Pampa weiter zum nдchsten Markt, wo ich wieder warten muss. Hier erweisen sich die Mongolen als sehr nett uns hilfsbereit. Immer findet sich jemand, der mich an die Hand nimmt und an ein Auto weitervermittelt, mir ein Restaurant oder ein Hotel zeigt. 3 Tage und 2 Nдchte trampe ich die 800 km zurьck in das Dorf im Nirgendwo, wo Ilze auf mich wartet und den Ifa bewacht. Wieder kommt die Lehrerschafft zusammen, und nach einer Stunde ist der Ifa wieder fahrbereit. Ein Wunder ist geschehen! Aґ Ger muss her!! Carmen hat mir einen Floh ins Ohr gesetzt: A' Ger muss her! Und sie sind ja auch wirklich sau schцn und gemьtlich, diese mongolischen Jurten aus Fell! Kurz vor der Grenze nach Russland, im kasachischen Altai geraten wir an einen Mann, der nicht nur englisch kann, sondern auch ein Ger-Camp betreibt. Und ausserdem Gers in die USA exportiert und noch 2 im Camp zum verkauf hat - so richtig Original mit Pferde- und Yackharschnьren und Schafsfilz. Wir fahren also raus ins Camp, wo die 2 Gers in einem Raum lagern. Ich schдtzte den Raum so 20 qm gross, und voll bis unter die Decke!! Eine Ger besteht aus einer Holztьre, 5 Seitenteilen aus Holz, 80 Stangen und ein grosser Rad fuer das Dach, 2 Saulen, 80qm Filz, mehrerne Packen Pferdeschnьren und eine Hьlle. Dazu ein Holzboden und ein Ofen aus Eisen. Transportabel auf einem LKW verpackt! Na das ist vielleicht ein bischen gross als Souvenier, selbst fьr unseren IFa. So fahren wir einige Tag e in die Berge, um uns das unmцgliche nochmals zu ьberlegen. Klar, das Holz kriegen wir niemals in den Ifa - aber 80qm Filz - ist schon sau schцn - wenn auch nicht gerade klein. Das sind einige Qubickmeter Schafshaare. Kurz entschlossen packen wir bei der Rьckfahrt im Champ Filz und Schnьre ein, geht problemlos ins Auto. Dazu machen wir tausend Bilder von der Jurte, damit wir die Holzteile zuhause nachbauen kцnnen. Wir fahren zurьck zum Mananger, bezahlen 400US und sind Besitzer einer halben Jurte, haben keinen mm Platz mehr im Auto aber das Problem, dass wir das alles vor dem Zoll unauffдllig verpacken mьssen, da Jurten eigenltich der Mongolei gehцren und eigenltich nicht ausgefьhrt werden dьrfen!. Die Jurte fьr den Zoll unauffдllig zu verpacken, erweisst sich als ein psychologisch-technischer Kraftackt! Nach der Aktion ist unsere Matratze 50 cm hoch, die Dusche voll Filz, und nur noch von aussen als Garderobe zu gebrauchen, alle Schдnke von hinen und unten mit Stoff voll! Ьberhaupt ist es ein bisschen eng im Womo. Aber das unmцgliche klappt! Ich fьhrer Delegationen neugieriger mognolischer und russischer Zцllner an der Dusche vorbei, zeige jedem den Kьhlschrank und den Bakckofen - unsere einzigen koscheren Mцbel - und erklдre, dass man auf einer 50 cm hohen Matratzte einfach besser schlдft. Nach 8 h Kontrollen und Grenzprozeduren sind wir wieder problemlos in Russland eingereist! Keiner hat was von unserer Ger bemerkt! Und weiter? Wir planen, wenn nichts weiter dazwischenkommt, bis Mitte oder Ende Juni in Lettland zu sein. Dann wieder einige Wochen den Hof steicheln und renovieren, und dann weiter nach Berlin, wo der Ifa eine Generalkur bekommt Und die auch braucht, da der TUV in der Zwischenzeit so fast ein Jahr abgelaufen ist. Und dann geht es im August quer durch die Republik, alle besuchen, die grade nicht im Urlaub sind... Ab 1.9.2006 (+-15 Tage oder so...) sind wir wieder in Freiburg, unter meiner alten Adresse im Vauban 4, tel 0761-4098133. Dann gibt es Urlaubsbericht live und die echten Bilder, also Dias, falls die was geworden sind! Das jetzt ist nur so ein vorgeschmackt mit einer halb ledierten Digicam... Martin hirschbuehl.martin@web.de in Freiburg unter der Adrresse: Martin Hirschbuehl Vaubanallee 4 79100 Freiburg Tel. 0761 4098133 Hirschbuehl@web.de hirschbuehl.martin@web.de A c h t u n g: meine Mailadresse ist meistens von Werbung voll!! Deshalb besser antworten unter hirschbuehl.martin@web.de ______________________________________________________________ Verschicken Sie romantische, coole und witzige Bilder per SMS! Jetzt bei WEB.DE FreeMail: http://f.web.de/?mc=021193 Russland.zip Content-Type: application/zip Content-Encoding: base64