Betreff: Nie mehr Russland Von: Martin Georg Hirschbühl Datum: Mon, 17 Jul 2006 11:53:27 +0200 An: "Jürgens, Christine" <310060637462-0001@t-online.de>, "Steinle, Jutta" <520035260665-0001@t-online.de>, "Hirschbuehl, Andi, gmx" , "Meschenmoser, Conny und Alex" , "Meschenmoser, Alexander" , "Hirschbuehl, Andreas Geschaeft" , "Balliel, Anke" , "Droste, Anne" , "Giesen, Anne" , "Augenstein, Barbara" , "Göb, Barbara" , "Braun, Wolfgang" , "Schmitt, Christine" , chris_koch@web.de, "Hupe, Christian" , "Nachtigall, Christof" , "Nissen, Daniel" , "kling, David" , "Fine, Daniel" , dirk.boettger@vestner.de, "Kammerer, Dirk" , "Droesemeier, Mellanie" , "Lappen, Friedolf" , "Lappen, Barbara&Friedolf" , "Grabbe, Yvonne" , "Punker, Igor" , "Laizane, Ilze" , "Isabel, Grieder" , "Wiesler, Julia" , "Hirschbuehl, Katharina" , "Reichart, Maritta" , "Gempp, Martina" , "Haupt, ulrike" , "Schwab, Mirjam" , "Vogel, Nora" , "Sauer, Oliver" , "Schönhöffer, Peter" , "Krause, Ronald, Geosens" , "Krause, Max" , "Okunik, Rene" , "Robert, Huber" , "Koch, Cristian, Web" , "Pudlatz, Meike und Gunnar" , "Rölker, Susanne" , "Metzger, Tanja" , "Heinrich, Ulrike" , "Körner, Ulrich" , "Malessa, Ulrich" , "Steiner, Ulrike" , "Hachtel, Volker" , "Buchmiller, Wasserfabrick" Aus Aizkraukle, mitten in Lettland So, da sind wir wieder! Unser Gras ist gemaeht, der Storch kommt jeden Abend in den neu ausgeschaufelten Weiher, die Pirts kuehlt sich langsam von den Saunafeten ab, in den naechsten Wochen kann ich kein Schaschlik mehr sehen, und wir machen uns auf die Socken, wieder zurueck in die Zivilisation. Das wird nicht leicht, aber der TUV wird schon dafuer sorgen, dass wir schnell genug in den deutschen Trott kommen. Ihr muesst also damit rechnen, dass wir tatsaechlich wieder in Deutschlands Sueden ankommen, mit einem etwas verschrummelten Womo zwar, aber sonst wohlbehalten. Als Abschluss zu meinen Rundmails noch einige Zeilen - und zur Frage, wie wir wieder aus der lupenreinen Demokratie (Schroeder!) rausgekommen sind... DPS In Russland gibt es mindestens so viele Verkehrsvorschriften wie Verkehrskontrollen. Und so bleiben wir immer wieder mal in einer haengen, weil wir etwas falsch gemacht haben. DPS oder GAI heissen die Kontrollen meist, manchmal auch Wiegepunkt, wo unser Auto jedes Mal ganz langsam fahren muss. Ob sie uns jemals wirklich gewogen haben, das habe ich nicht rausbekommen. Aus Novgorod fahren wir raus, da sehen wir schon die hellblaue Burg mit der dicken Aufschrift DPS am rechten Strassenrand. Die 2-spurige Schnellstrasse verengt sich auf eine Gasse, der Rest der Strasse ist mit Betonbloecken, Stachelstreifen und Schranken verbarrikadiert. Schon ein gutes Stueck vor der Kontrolle fahre ich extra langsam und korrekt. Fasst habe ich mich in Schlangenlinien durch die Barrikaden gearbeitet, da kommt doch noch ein Beamter von seinem Schwaetzchen im Buero zurueck und winkt mit seinem schwarz-weiss geringelten Zauberstab. Ja Himmel, wo soll ich denn hier anhalten? Links ist eine Mauer, rechts die Burg der DPS, und ueberall Gebuesch. Ich versuche so zu halten, dass ich moeglichst wenig Verkehrshindernis bin und reiche routiniert die Papiere raus. Aussteigen, mitkommen soll ich. In der Burg werde ich auf russisch gefragt, ob ich mich mit den Verkehrsvorschriften auskenne? Ich antworte mein gebrochenes "Ja ne gavaru pa ruski" - ich spreche kein russisch. Der Beamte wiederholt seine Frage nochmals etwas lauter. Dann folgt ein Dialog, wie er 1000 mal so oder aehnlich abgelaufen ist, und dessen Fragen und Antworten ich im Laufe der Zeit gelernt habe: Kennen sie die Verkehrsvorschriften der Russischen Foederation? Mein Name ist Martin! Sie muessen ausserhalb der Stadt das Licht einschalten! Ich komme aus Deutschland. Sie fahren ohne Licht. Ich bin auf einer Dienstreise. Das kostet 50 Euro Strafe. Russland ist ein schoenes Land und sehr sehr gross! Wir fuellen jetzt ein Protokoll aus. Ich war in Wladiwostok, und jetzt sind wir auf der Rueckreise nach Deutschland. Die Strafe muessen sie auf der Sparkasse zahlen. Aber die hat am Wochenende zu. Sie muessen dann am Montag hier herkommen und bekommen ihren Fuehrerschein zurueck. Ich arbeite im Kinderheim. Haben Sie mich verstanden? Sie muessen Strafe zahlen! Ich bin Psychologe. Sprechen Sie russisch? Ich verstehe kein Russisch, nur ganz wenig! Sprechen Sie russisch? Nur ganz wenig! Der Beamte denkt kurz nach - ah, verstanden, ich verstehe kein russisch! Eine Weile denkt er nach, was er machen kann. Ich nutze die Pause und hole zum ersten Gegenschlag aus. Englisch? Franzoesisch? Spanisch? Deutsch? - diesmal verneint der Beamte meine Fragen. Wir gehen gemeinsam raus, damit der Beamte mir mein Vergehen zeigen kann. Er zeigt auf die Scheinwerfer. Ich habe kein Licht an. Ich sage Gorod, Gorod - Stadt, Stadt. Mit Licht muss man naemlich nur auf dem Lande fahren. Aber da sitze ich in der Falle. Siegesgewiss schiebt der Beamte die Zweige hinter dem Auto auseinander, und da kommt das Ortsausgangsschild zutage! Aber wir haben noch nicht ausdiskutiert - noch bin ich mit meinem Russisch nicht am Ende. Zurueck im Buero faengt der Beamte an, ein Protokoll auszufuellen. Lange dreht der meine Dokumente hin und her, dann steht auf kyrillisch ein "Martin Georg" im Feld: Name. Sonst scheint der Beamte keine befriedigende Antwort auf die vielen fragenden Felder seines Protokolls in meinen Dokumenten zu finden. Nach einigen Minuten steht immer noch nichts weiter als mein Vorname auf dem Blatt. Der Polizist leiert nochmals die ganze Prozedur runter, die jetzt kommt, also Strafe, Bank, das Wochenende abwarten, usw. Jeder Satz wird mit einem "Was machen wir denn jetzt?" abgeschlossen. Er wartet offensichtlich auf einen kreativen Vorschlag von mir. Ich bleibe locker, an dieser Stelle habe ich schon halb gewonnen. Freundlich laechle ich ihm zu, antworte mit einem "Harraschow" - gut, einverstanden - auf jeden Satz. Zwischendurch lasse ich noch einige Male "Quitanzie" fallen, und strahle dabei ueber das ganze Gesicht. Dieses Quittung hat sich als ein Zauberwort rausgestellt. Resigniert gibt mir der Beamte meine Papiere zurueck, wuenscht mir eine gute Fahrt. Ich soll in Zukunft das Licht anmachen. Ich bedanke mich mit einem "Russland ist ein schoenes Land" und verlasse die Amtsstube. Knapp einen Kilometer bin ich gefahren, da haelt mich die naechste Verkehrskontrolle an. Diesmal sind es neue Fragen, die ich nicht verstehe, und die mir Ilze im Nachhinein uebersetzt: Ihre Papiere bitte. Haben sie die Letzte Strassenkontrolle DPS gesehen? Ah, DPS Man hat sie zum Anhalten Aufgefordert! DPS war gerade! - Ich zeige nach hinten. Haben Sie das Signal des DPS- Beamten gesehen? Ja, Ja DPS! Wir haben einen Funk bekommen, dass sie nicht angehalten haben. Sie haben einfach die DPS Kontrollstelle ueberfahren! DPS war gerade, einen km von hier! Das kostet Sie eine hohe Strafe! Meine Dokumente, alles kontrolliert, war in Ordnung! Sie haben die Kontrolle ueberfahren! Ich verstehe kein Russisch! Haben sie die Kontrolle nicht gesehen? Das wird teuer. Wir fuellen ein Protokoll aus, und dann muessen sie Strafe zahlen! Ich verstehe Sie nicht. Da vorne war schon mal DPS. Warum halten Sie mich an? Sie haben einfach eine Kontrolle ueberfahren, und dem Beamten nicht gefolgt. Irgend etwas laeuft falsch, der Dialog will nicht klappen. So frage ich Ilze, was los ist, ob sie mal uebersetzten koenne. Nachdem sie mir erklaert hat, was die Anschuldigung sei, sagt Ilze dem verbluefften Beamten, dass wir an der letzten Kontrollstelle angehalten haben und sogar ein Protokoll ausgefuellt worden ist! Na dann - Gute Reise! Wir bekommen die Papiere zurueck und duerfen weiterfahren. Ich dachte, ihr seit wie Menschen - Russland ist sehr viel sicherer geworden! Wieso? Das haben wir dem Diktator Putin und seinen KGB-Schergen zu verdanken. Das Zauberwort heisst "registrieren". Der Gute Putin hat ein Gesetzt eingefuehrt, dessen genauer Wortlaut keiner kennt, das aber jeden Buerger und jeden Touri verpflichtet, sich unverzueglich registrieren zu lassen, sobald er laenger als 3 Tage an einem Ort ist. Und bei der Einreise hat innerhalb von 72 Stunden eine Registrierung zu erfolgen, ganz egal wo man ist. So weiss Vater Staat von jedem Buerger jederzeit genau, wo er sich befindet. Ausserdem haben die Kontrolloere von Polizei, Militaer, Miliz und Verkehrskontrolle stets etwas zu kontrollieren und damit auch zu bemaengeln, und damit eine Moeglichkeit, ihren unverschaemt kleinen Lohn, der ihnen vom Staate gewaehrt wird, der aber kaum zum Leben reicht, etwas aufzubessern. Registrieren kann man sich ueberall, oder genauer bei der Polizei, noch genauer nur bei der OWIR-Behoerde in der Oblest-Hauptstadt. (Oblest = Verwaltungsbezirk, manche sind so gross wie Europa...) Eigentlich muss man sich in einem Amt oder einer Behoerde registrieren lassen, die sich in jedem Verwaltungsbezirk anders nennt, und die meistens schwer oder gar nicht zu finden ist. Und das moeglichst schnell, da am Wochenende die Behoerde meist nicht arbeiten, und einige auch nur 2 Vormittage in der Woche auf haben. Das sollte man also moeglichst vorher wissen, damit man seine Anreise in einer grossen Stadt oder die Einreise nach Russland nach den oeffnungszeiten der OWIR- oder wie auch immer - Behoerde richten kann und sich somit rechtzeitig registrieren lassen kann. Und wo anders als in den groessten Staedten hat man eh nicht anzureisen oder gar zu bleiben, da es dort sicher keine solche Behoerde gibt. Zum registrieren sollte man unendlich viele Passbilder genau nach Vorschrift mitbringen, eine Liste aller Aufenthalte in der Sovietunion, eine Adressliste mit Geburtstagen aller naeheren und weiteren Verwandten (kein Witz!!), Kopien aller amtlichen und halbamtlichen Dokumente, eine Quittung des Hotels samt Kopie der selbigen, in dem man sich befindet, und so fort. Ach ja, ein Dolmetscher nicht vergessen, da ein Auslaender sowieso keine Chance hat, die vielen Abkuerzungen zu verstehen, die auf den Formularen sind. Und dazu noch einige Tage Zeit und etwas Geduld, viel Glueck und starke Nerven, sowie einige Rubel in grossen Scheinen, dann kann es klappen- vorrausgesetzt, man hat alles richtig gemacht. Aber das ist wenig wahrscheinlich. Da wir um den Paragraphen und Buerokratiedschungel wussten, der mit einer Registrierung verbunden ist, und wir bei der zweiten Einreise schon etwas cooler waren, haben wir die Registrierung erst mal hinausgeschoben. Nicht nur aus Boeswilligkeit, nein, es gibt wahrscheinlich so ein Gesetzt, nachdem man sich als Transitreisender auch erst bei der Ankunft am Ziele registrieren lassen kann. Und weil es an der mongolischen Grenze, von wo wir kommen, und dann im russischen Altai weit und breit keine Behoerde gibt, bei der man sich in 72 Stunden registrieren lassen koennte. Und da wir dreisterweise eh noch einige Tage den Altai geniessen wollten. Und da die Kontrollettis an der Strasse mit unseren vielen auslaendischen Dokumenten in der Regel so ueberfordert waren, dass kaum einer je nach dem Reisepass gefragt hat. Und schon gar keiner bemerkt hat, dass die Ein-Ausreisekarte, auf der es auch ein Feld "Registrierung" gibt, von uns vorsorglich und zur Verhinderung weiterer ueberforderung der Sicherheitsbeamten entfernt wurde. So sind wir ganz cool und ohne Belaestigung durch ganz Russland und alle Kontrollen gekommen. Erst kurz vor der Ausreise, in Pskov an der estnischen Grenze ist es uns dann doch langsam mulmig geworden, was mit uns an der Grenze wohl passieren wuerde, falls wir ganz dreist so ganz ohne Registrierung wieder ausreisen wuerden... Da so eine Registrierung ganz ohne einheimische Hilfe vielleicht doch ein etwas gewagtes Unternehmen ist, einige Hotels aber ihre Gaeste registrieren, haben wir uns ueberlegt, uns mal zu erkundigen. Also sind wir einfach in ein preiswertes Hotel gegangen, und haben dort mal so nachgefragt, ob sie nicht auch registrieren wuerden. Die Dame an der Rezeption in einem Hotel in Pskov hat uns reichlich geschockt angeschaut - mit Auslaendern, dazu noch welchen, die nicht aus Russland sind, und womoeglich einen auslaendischen Pass haben - nein, damit haben sie hier, fast 50 km von der Grenze zur EU entfernt, keine Erfahrung. Wir sollen uns an das Hotel Riga wenden, wo die ganzen Auslaender absteigen. Die machen das mit der Registrierung. Wir laufen also quer durch die Stadt, in die Rigaer Strasse, wo sich selbiges Hotel befindet. Von aussen klar als stalinistisches Architekturwunder zu erkennen, schwindet unsere Hoffnung, dass uns hier geholfen werden kann, als wir durch die Eingangspfote schreiten. Innen ist das Hotel schlicht in realsozialistischem Waschbeton gehalten. Wir gehen zur Rezeption, und nachdem wir eine Weile gewartet und immer mal wider mit dem Kuli auf den Tresen getrommelt haben, bequemt sich eine der Damen, von ihrem Tee im Hinterzimmer aufzustehen und uns auf russisch mit einem "was wollt denn ihr" zu begruessen. Wir versuchen es mal mit dem Auslaenderbonus und fragen "Do you speak English?" - Weia, das war die falsche Frage. Die Dame schaut uns veraechtlich an, zischt uns etwas zu, verschwindet im Zimmer. Nach einiger Zeit kommt eine andere Dame zum Vorschein, die nicht nur rudimentaer englisch spricht, sondern durch unsere Dreistikeit, kein Russisch zu koennen, sichtlich veraergert ist. Wir fragen, ob sie im Hotel auch registrieren wuerden. Prinzipiell ja, aber nur fuer Gaeste. Und es komme auf unser Visum an. Auf die Frage, welche Visa sie denn registrieren koenne, herrscht sie uns an "Show me your passport!". Nein, ganz so intim wollen wir mit der Dame gar nicht werden, und so sagen wir ihr, dass wir ein Geschaeftsvisum haben. Nein, so was wuerden sie hier eh nicht registrieren, nur Touristenvisas - Wir sollen uns an die Polizei wenden. Ehe sie ganz im Zimmer verschwunden ist, kann ich gerade noch fragen, was denn das beste Hotel am Platze sei. Da zeigt sich die Dame hilfsbereit, nennt einen Namen, zeigt auf eine Telefonnummer und knallt mir ein Telefon vor die Nase, ehe sie wieder in ihrem Zimmer verschwindet. Vielleicht ist Englisch doch nicht die ideale Sprache, wenn man Informationen braucht. Deshalb versucht es Ilze mal mit russisch und dem Telefon. Immerhin, die Dame ist freundlich, und fuer Gaeste registriert das chicste Hotel auch alle Visas. Leider ist ein Zimmer in diesem Hotel so teuer, dass wir uns wohl nicht mal den Aufenthalt auf dem Klo leisten koennten. Und ob das wohl fuer die Registrierung reichen wuerde? Wir lassen uns erst mal nicht entmutigen, und suchen die OWIR-Behoerde. Ungefaehr an der Kreuzung, wo sich die Behoerde befinden muesste, fragen wir in einem Kiosk an der Strasse. Nee - OWIR- da haetten wir wohl die falsche Info. So was gaebe es hier in der Naehe nicht, so die Auskunft der Dame vom Kiosk. Da mischt sich eine Kundin ein und behauptet, dass sich OWIR genau gegenueber sei. Wir sind skeptisch, aber es stimmt. OWIR steht auf einer kleinen Tafel an dem Gebaeude, das sich sonst durch nichts von einem Wohnhaus unterschiedet. Drinnen sitzen einige Damen hinter winzigen Schaltern. Immerhin sind die Schalter beschriftet. Und vor jedem Schalter steht eine Bank. Wir erkundigen uns bei den vielen Menschen, wer wohin muss und wer der letzte in unserer Schlange ist. Es stellt sich heraus, dass eh alle an den gleichen Schalter muessen. So warten wir ein gutes Weilchen. Als wir an der Reihe sind, fragt Ilze, wie wir uns denn hier registrieren lassen koennen. Die Dame ist alles andere als freundlich, herrsch uns an, in welchem Hotel wir eigentlich in Pskov seien. Obwohl ich kaum Russisch kann, verstehe ich doch immerhin genug, um zu begreifen, warum einige der Menschen vor uns in der Schlange weinend vom Schalter gezogen sind. Ilze versucht zu erklaeren, dass wir im Auto leben. Nein, ohne Buergen aus der Stadt und ohne Hotel koenne sie uns nicht registrieren. Und damit Basta. Ilze versucht nochmals nachzufragen. Da holt sich die Dame bei der Frau, die neben uns wartet Hilfe. Ob sie es denn nicht verstaendlich erklaert habe, fragt sie diese. Die Frau stimmt ihr eingeschuechtert zu. Nachdem wir so nicht weiterkommen, erkundigt sich Ilze nach dem Natschalnik. Der ist im Kaestchen links zu finden! Im Kabuff sitzt ein Mann in Uniform und spielt gelangweilt mit dem Taschenmesser an seinen Fingernaegeln. Ilze braucht gar nicht viel zu erklaeren, da er unser recht lautes Gespraech mit seiner Kollegin eh mitgehoert hat - wie wahrscheinlich alle Menschen im Raum. Aber er ist gutmuetig uns sagt schlicht und einfach, dass er keine Ahnung hab, wie wir uns registrieren lassen koennen. Er wisse es wirklich nicht. Wir diskutierein eine Weile, dann beschliessen wir, nochmals wegen dem Hotel nachzufragen. Als die nette Dame ihr Kabuff verlaesst, schlaegt unsere Stunde. Wir wollen ein Hotel buchen. Ja, dann sei ja alles bestens, es ist auch egal, welches Hotel. Unsere Hoffnung steigt fast ueber den Nullpunkt, als wir auch noch erfahren, dass wir noch heute eine Registrierung erhalten, falls wir vor 12 Uhr den Pass abgegeben haben. Sonst ist das Buero wieder am Donnerstag auf - besser also gleich heute, am Montag. Also nichts wie raus, auf das erste Taxi zugestuermt und nach einem billigen Hotel gefragt. Gleich vorne an der Strasse, keine 10 Minuten von hier gebe es eins. Die Frage, was denn das Taxi koste, beantwortet der Fahrer mit einer abweisenden Handbewegung - wir sollen lieber laufen. Da kommt ein Funk rein, dass der Fahrer eh in unsere Richtung zum Arbeiten muss, und so nimmt er uns fuer 30 Rubel doch zum Hotel mit. Die Dame an der Rezeption ist sehr korrekt, wir fuellen Formulare aus, geben unsere Paesse ab und bezahlen 600 Rubel, etwa 20 Eier fuer das billigste Zimmer ohne Klo, Dusche und Fruehstueck. Wir erhalten die begehrte Quittung, dazu ein Formular, mit dem wir unseren Hotelschluessel im 4. Stock einloesen koennen. Aber das wollen wir ja erst mal gar nicht - sondern mit der Rechnung in der Hand hetzten wir zur OWIR -Behoerde zurueck. Von Ferne wedeln wir mit der Quittung unserer Freundin am Schalter immer wieder zu - und da geschieht ein Wunder: Wir duerfen uns an verzweifelten Muettern und quengelnden Kindern einfach vorbeischieben ganz nach vorne. Wir bekommen einen Stapel Formulare ausgehaendigt, dazu eine Anweisung, welche Kopien wir mitzubringen haetten, und wie viele Passbilder. Mit diesen allen sollen wir uns dann wieder anstellen. Waehrend Ilze verzweifelt versucht, die Formulare zu entschluesseln und die Felder ohne Korrekturen auszufuellen, stelle ich mich am Serviceschalter "Fotokopien und Bilder" an. Das kann ne Weile gehen, denn in der Zeit, wo wir im Hotel waren, hat sich ein guter Teil der Schlange hierher verlagert. Dazu sind die Russen einfach besser im Draengeln als ich. Immer wieder werde ich von Ilze mit abstrusen Fragen wie "Was ist der Beruf deiner Mutter?" oder " wie heissen deine Neffen?" abgelenkt. Als die nette Dame aus dem Zimmer kommt, nutzt Ilze die Gelegenheit und fragt, ob sie die Formulare so korrekt ausgefuellt habe? Das haette sie besser nicht getan. Was ihr den einfalle? Sie solle gefaelligst in Russisch schreiben, schliesslich sind wir hier in Russland. Das ganze Formular in Russisch. Und bitte fehlerfrei. Und wenn sie nicht wisse, was UDS, IPK, AHV und ILS sei, dann solle sie doch mit jemandem kommen, der Russisch koenne! Doch jetzt sind wir erst mal an der Reihe mit den Passbildern. Waehrend ich versuche, den Kopf so zu drehen, dass die Dame an der Kamera, und damit die ganze Sowjetunion einverstanden ist, uebersetzt Ilze weiter Begriffe wie "Stadtverwaltung Freiburg" ins Russische. Dabei tropft von oben die Heizungsanlage auf die Formulare und verschmiert diese uebel mit Wasserflecken. Wenn das nur kein aerger gibt. Irgendwie muessen die Buerger der Sowjetunion mehr uebung darin haben, den Kopf Passbildkonform zu halten. Aber nach einer Weile gelingt es auch mir, gleichzeitig nach vorne zu schauen und dabei den Kopf nach links und rechts und oben und unten zu drehen. Stolz dreht die Dame den Monitor um und fragt, ob ich mit dem Ergebnis zufrieden sei. Ja, mein Gott, ich bin mit allem zufrieden. Es ist 20 Minuten vor 12h, sie moege doch bitte so schnell als moeglich die Bilder ausdrucken. Dann ist Ilze an der Reihe. Doch nicht zu schnell. Erst muss ein Papierstreifen abgerissen, dieser ordentlich gefaltet und dann getackert werden. Da kommen die Bilder rein. Welchen Namen sie denn auf die Quittung schreiben soll. Alexander, das geht am schnellsten! Meinen Zweitnamen braucht sie fuer den Computer, um mein Bild zu speichern. Was, kein Vatersname? Was machen wir denn da? Schnell noch Ilze. Der Name ist leichter fuer die Quittung. Jetzt trennen uns nur noch die Kopien von der Hotelquittung, vom Pass, dem Visum -den Rest hab ich vergessen- vom Erfolg. Aber die Dame macht zum Glueck den ganzen Tag nichts anderes und weiss, was wir alles brauchen. Was? Eine Kopie der Einreisekarte? Na besser zuviel als zu wenig! Ich bedanke mich fuer die Hilfe, schicke Ilze mit allen Trophaeen an den Schalter, waehrend ich noch die Bilder bezahle. Zwei mal 60 macht 160, na auch egal, Hauptsache schnell. Es ist 5 vor 12, Ilze reicht die Formulare, Kopien, Bilder, Zettel und Paesse durchs Fenster. Unsere Freundin schlaegt meinen Pass auf, stutzt. Schlaegt Ilzes Pass auf, stutzt. Dann wird sie laut, grob. Ich dachte, ihr seit anstaendige Menschen. Ich habe euch wie Menschen behandelt, und ihr? So was? Schon laenger als 72 Stunden in der CCCP! Wie konntet ihr das verheimlichen? Mich so dreist hintergehen! Gesetzesbrecher! Kriminelle! Da muss ein Protokoll erstellt werden. Strafe zahlen. Das hat ein Nachspiel. An Registrierung ist nicht zu denken, alle Menschen im Raum zucken erschrocken zusammen, als uns die Dame anschreit. Und jetzt ist 12h, der Schalter wird geschlossen. Ist alles umsonst gewesen? Hotel buchen und warten, und der ganze Aufwand? Wir beschliessen, auf Angriff zu gehen und fragen ums zum Natschalnik vom Natschalnik durch. Der Vorsitzende der Owir-Behoerde sitzt in einem feudalen Raum vor einem grossen Schreibtisch. Ilze fragt, was wir denn jetzt machen sollten - unsere Ausgabe - das Hotel, die Photos - alles auf Rat der Dame. Wir Fremde, auf Durchreise, im sozialen Projekt, mit wenig Geld usw. ... Na, wenn wir nicht alle Infos auf den Tisch legen, dann koenne uns sein Amt eben nicht richtig beraten. Wir haben ein Gesetzt gebrochen, und muessen 1000 Rubel Strafe zahlen. Und registrieren kann uns seine Behoerde unter den Umstaenden sowieso nicht. Das muessen wir bei der Firma, die uns eingeladen hat. "Zentrum fuer inneroekonomische Zusammenarbeit" steht in unserem Pass - keine Ahnung, ob es das wirklich gibt und wo sich diese befindet. Im uebrigen raet er uns mit Blick auf die Uhr, die Strafe erst an der Grenze zu zahlen. Da koste es auch nicht mehr. Soweit die verwirrende Auskunft des Herrn Genossen. Wir verlassen als freie Menschen die Behoerde - alle sind schon in der Mittagspause. Die vielen Formulare, die wir ausgefuellt haben, und 3 Passbilder nach Norm bleiben uns als Souvenirs aus Pskov. Wenigstens das Geld vom Hotel wollen wir wiederholen, schliesslich haben wir nicht mal den Schluessel fuers Zimmer abgeholt. Zumindest einen Versuch ist es wert. An der Rezeption sagen wir der Dame, dass wir grade vom OVIR kommen, und unverzueglich abreisen muessen. Der Frau ist sofort alles klar. Sie legt Ilze ein leeres Blatt und einige Formulare vor. Ilze muss einen Brief an den Direktor schreiben. Formulare ausfuellen. Die Frage, warum wir nicht auf sie gehoert haette, sie haette gleich gesagt, dass man sich nicht fuer eine Nacht registrieren lassen kann, ueberhoeren wir geflissentlich. Dann geschieht wirklich ein kleines Wunder. Die Frau an der Rezeption drueckt uns unsere Rubel in die Hand, noch eine kleine Unterschrift - das wars! Ein halber Tag ist um. Wir haben jetzt zwar immer noch keine Registrierung, aber die Versicherung, dass wir mit Strafe an der Grenze auch so rauskommen. Ilze ist alles egal. Wenn sie hier wieder heile rausdarf, dann darf es auch ein bisschen mehr kosten. Aber ob und wie wir hier wieder rauskommen, das bleibt erst mal im dunkeln. Immer wieder Grenze Ein gutes hat Russland ja wirklich: Es ist riesig. Das heisst, man kann ganz schoen lange fahren, ehe man mal wieder an einen Grenzuebertritt denken muss. Und das ist auch gut so. Wir muessen und wollen entgueltig raus aus Russland. Und so beschaeftigen wir uns mental und im Gespraech schon mal ausfuehrlich mit dem Thema Grenze. Dass wir die Registrierung nicht haben, die fuer Russland Vorschrift ist, und wir somit nach wie vor Illegale sind, beruhigt uns nicht wirklich. Dann wissen wir, dass man aus Russland eigentlich keine Ersatzteile ausfuehren darf. Ob 4 Reifen wohl als Ersatzteile gelten - oder als Handelsgut. Wir waelzen die Gedanken hin und her, wohin mit den Monstern. Aufs Dach waere nicht schlecht, so als Reserveradlager in 4 m Hoehe. Schoen unauffaellig. Aber wie sollen wir die Monster auf dem glatten Dach fest machen? Ein Seil durchs Dachfenster? Das reisst uns bei einer Bremsung glatt das Fenster raus. Und ums ganze Auto Seil wickeln sieht vielleicht auch nicht gerade professionell aus - damit lassen die uns in die EU gar nicht erst rein! Daneben bleib die Frage ungeklaert, wie wir die Monster eigentlich ohne Kranwagen aufs Dach draufkriegen sollen. Waehrend ich mich frage, wie man ein solch dachlastiges Geschoss durch die Kurven schaukeln soll, sieht uns Ilze schon unter einer Bruecke oder gar in der Grenzanlage feststecken. Also suche ich nach anderen Moeglichkeiten. Einen Reifen koennte ich auf die Stossstange vorne stellen. Allerdings ist dann die Sicht ziemlich einschraenk. Was direkt vor mir ist, sehe ich hoechstens noch durch das Profil durch. Einen Reifen kann ich mit Spanngurten von unter an die Anhaengerkupplung ratschen. Wenn dann so ein Spanngurt reisst, brauch Ilze 3 Tage, um mich aus der Wiese auszugraben - falls sie irgendwie vorher den Reifen wegkriegt. Was tun? Wir werden die Reifen "einfach" ins Womo stellen. Das ist schon schwer genug. Wenn die vom Zoll fragen, dann legen wir die Geschichte von der Maffia neu auf - mit Mitleidseffekt. Ich baue einen Flaschenzug aus unserer Kletterausruestung. Den befestige ich draussen, lege das Seil durchs Fenster, zur Tuere raus. So kann Ilze durchs Auto den Reifen ziehen, waehrend ich aufpasse, dass er auch schoen die Treppe hochrollt. Hoffentlich bricht die Treppe nicht. Erst war ich froh, dass ich die geschrottete Treppe so halb wieder zusammengeschweisst habe. Und heute soll sie schon die Reifen halten. Probieren geht ueber studieren, und das geht besser als erwartet. Die Treppe haelt, aber als wir alle 4 Monster oben haben, sind wir doch beide nassgeschwitzt. Damit wir uns im Womo ueberhaupt noch umdrehen koennen, wuchten wir 2 Reifen oben aufs Bett, einen auf den Tisch. Einer bleibt im Flur stehen, den kann ich dann immer dahin rollen, wo der Zoellner grade nicht schauen will... In Russland gibt es so rein gar nichts zu kaufen, was man als Andenken mitbringen koennte. Da ist Vodka vielleicht noch das Beste. So haben wir im Supermarkt vor der Grenze einen Einkaufswagen voll mit Vodkaflaschen gefuellt - 40% Alk in allen Groessen und Flaschendesigns. Dazu noch reichlich Sovietskoje Schampanskoje - der suesse Sprudelsekt. Das beste ist aber die Schokolade. Es gibt in Russland Moosbeerenschokolade. Alleine 20 grosse Tafeln a 300g, dann noch viele kleine Tafeln in witzigem alten CCCP-Design - gut und gerne 10 kg von dem suessen Zeug. Auch hier stellt sich nach dem Einkauf die Frage: Wohin damit? Im Versteck fuer das Baerenfell oder dort, wo wir den Rentierkopf versteck haben, ist kein Platz mehr. Schokolade muss eh in den Kuehlschrank, sonst kommt da nur noch Brei an. Die Alkflaschen werden mal unauffaellig in der ganzen Kueche verteilt. Unter den Kartoffeln und in der Gewuerzbox schaut eh niemand genau nach. Es sind doch recht viele Flaschen, und so faellt fuer die Klamottenschraenke, die Werkzeugkiste und die Buecherbox auch noch was an. Wahrscheinlich finden wir noch Jahre nach unserer Reise hier und dort eine Flasche Vodka. Mit den 80qm Filz der Jurte haben wir ja schon Erfahrung. Die Haelfte ist eh unter dem "Hoch-" Bett. Und mit der Rest stopfen wir die Dusche. Damit keiner reinkuckt, drapiere ich das Ganze mit unseren Anoraks als Garderobe. Um keine bloeden Fragen vom Veterinaer mehr beantworten zu muessen haenge ich mal den grossen Hueftknochen, der als Galionsfigur durch ganz Russland gefahren ist, vorsichtigerweise ab und lege ihn zu dem Altaischaf-Geweih ins Cockpit. Da hat noch nie jemand genau geschaut. Das Geld haben wir deklariert, und jetzt muessen wir genau abzaehlen, dass wir den richtigen Betrag in $US und Euro bei uns haben. Eigentlich ist der Rubel doch jetzt frei - aber die Russen machen wegen Devisen immer noch ein Geschiss an der Grenze. Vorsichtshalber packen wir noch 100 $US, 100 Euro und einige tausend Rubel in kleinen Scheinen in die Tasche. Rubel moeglichst nicht zuviel, da die sowieso nicht ausgefuehrt werden duerfen, und uns draussen auch keiner mehr wechseln wird. Aber 2000 brauchen wir eh fuer die Strafe. Noch 30 km bis zur Grenze, noch, 20 - ich will nochmals reinschauen, ob das Ganze Chaos hinten noch gut in Ordnung ist. Nicht dass die Duschtuere aufgeplatzt ist, und die Jurte im ganzen Womo verteilt liegt. Zu spaet - da kommt schon die Schlange und wir stehen an. Oh weia, hoffentlich kommen wir gut raus. Ein mulmiges Gefuehl macht sich breit. Ich erwarte nicht, diesmal alles richtig zu machen und einem kraeftigen Anschiss zu entgehen. Ich denke nicht, dass ich auch nur die leiseste Ahnung habe, wie der Ablauf an dieser Grenze, fast 200 km von der Grenze, ueber die wir das erste Mal in Russland eingereist sind, aussieht. Aber was dann kommt, ueberrascht mich doch einigermassen. Wir werden vor der Grenze nach Fahrzeuggewicht in eine Schlange eingeteilt, erhalten einen Laufzettel mit vielen freien Stellen und sind bald an der Reihe, fahren in ein modernes Zollabfertigungsareal und muessen zunaechst auf die Wage. Technische Kontrolle. Der Zoellner holt mich aus dem Fahrzeug. Was das denn fuer ein Modell sei, fragt er. Und irgendwelche Papiere will er sehen. Ich versuche, ihm zu erklaeren, dass wir Womo und kein Lkw sind. Nebenher schaue ich auf die digitale Wage und versuche zu verbergen, dass mich fast der Schlag trifft. 9760kg zeigt die Anzeige, da haben wir doch glatt 2,3 Tonnen zuviel. Der Zoellner versteht meine Autopapiere nicht. Er will wissen, wie viel ich wiegen darf. Ich verstehe ganz gut, tue aber auf bloede und zeige auf die groesste Zahl, die in den Papieren steht. 12.000 kg steht da unter dem Feld 26, so viel darf ein Anhaenger maximal wiegen. Aber so komme ich nicht weiter. Ilze muss kommen und dolmetschen. Wo wir denn unsere Zollpapiere haetten? Zollpapiere? Nie gesehen. Wir sind ein Womo, kein Lkw. Wir wollen sicher nach Karelien, meint sein Kollege. So geht die Unterhaltung einige Male hin und her, bis der Techniker seine Unterschrift auf den Laufzettel setzt, meint, dass wir in der falschen Schlange sind, weil wir kein LKW sind und uns zum Zoll weiterschickt. Im Zoll erwartet uns ein netter Mann mit der Frage: Seit ihr die Fischer aus Karelien? Wieder die Frage, wo denn unsere LKW-Papiere und die Fahrtenschreiber-Karten seien.... Die Kontrolle ist dann ganz einfach. Wir muessen raus zum Auto, ich oeffne die Tuere und muss erst mal den Lkw-Reifen wegschieben, stelle ihn genau vor die Dusche. Der Man zwaengt sich herein, schaut nach links und nach rechts, fragt, ob ich Drogen habe, das kostet 1000$US. Als ich verneine, ist er zufrieden, alles in Ordnung, weiter zur Grenzkontrolle. Irgendwo zwischen den Gebaeuden muessen wir hin, dort wo die naechste Schlange steht. Nach einer halben Stunde warten sind wir dran. Die Frau nimmt unsere Paesse, staunt, wo ist denn die Registrierung? Die haben Sie uns beim Transit durch die Mongolei abgenommen! Was? Aus der Mongolei kommen wir? Taschanta, ist das die Grenze zur Mongolei? Moment, sie muss die Chefin holen. Auch diese ist sehr nett, fragt, warum wir keine Registrierung haetten. Wir sind direkt hierher gefahren - hat ja auch nur einen Monat gedauert. Na, das sei fuer Transit wohl ein bisschen lange, findet die Frau, von wo wir denn kommen. Bei Mongolei reisst sie die Augen auf, fragt, wie weit das sei. So ueber 10.000km ist unsere Antwort, und wir kommen mit dem alten Auto nicht so schnell voran. Dazu die Reifen, die Maffia, Reparaturen. Keiner blickt durch - irgendwie stimmt hier alles nicht. Die Frau denkt kurz nach. Dann sagt sie zu ihrer Kollegin: "Ach, lass sie doch" und gibt unsere Paesse zur Bearbeitung frei. Von illegal und Strafe keine Rede! Der Grenzer kommt ins Auto, schaut nochmals in die Schraenke, dann schaut er nach hinten unter das Bett, da wo unser Baer ruht. Ich zeige auf die Kanister, sage "Voda" und lasse gleichzeitig die Wasserpumpe droehnend laufen. Der Mann dreht sich um, schaut auf mich, auf den Wasserhahn. "Habe ich alles selber gebaut, die Wasseranlage. Und gleich daneben ist der Kuehlschrank, echt kalt drin." Und wenn man von oben schaut, sieht man die ganze Schokolade auch nicht, die weiter unten liegt. Der Grenzer nickt, Wasser, Kuehlschrank, das hat er verstanden. Zigmal erprobt, das klappt immer. Wenn vorne die Pumpe anfaengt zu droehnen, schaut keiner hinten im Schrank genauer nach. Die Ampel springt auf Gruen, die Schranke geht hoch. Noch hundert Meter, und in der Kabine bricht Jubel aus. Wir sind raus aus Russland. Mit allem! Ohne Strafe! Der kleinere Akt kommt noch. Rein in die EU. Also nochmals anstellen. Als wir an der Reihe sind, fahre ich bewusst schraeg in die Kontrolle. So geht das nicht, ich habe die Wage nicht richtig getroffen! Ich mach auf unschuldig? Waage? Das hab ich ja garnicht gewusst. Bin ja kein Profi... Aber es nutzt nichts. Nochmals zurueck werde ich geschickt -Scheisse. Irgendwie finden die Kollegen aus Estland IFA nicht im Computer. Technische Daten nicht verfuegbar... Vielleicht auch besser so. Wir muessen warten, aber dann scheinen zumindest die Papiere in Ordnung. Die Zoellnerin, die im Auto kontrolliert, kann kein Englisch, aber Russisch. Um so besser. Noch einmal meine Fuehrung, nochmals rolle ich den Reifen weg, lasse die Pumpe laufen, zeige auf den Kuehlschrank. Dann sind wir drin in Europa. Fast zuhause. Heute Abend machen wir Žnen Champus auf - davon haben wir reichlich! In einer Stunde sind wir durch Estland durch, echt winzig, dieses Europa. An der Grenze ein Schild, einmal winken, dann sind wir sind in Lettland. Ilze ist total ueberfordert. Wann kommt die Abzeigung nach Resekne? Was, da sind wir doch schon 20 km durch. Hier gibt es auf 10 km mehr Strassen als in ganz Russland. Noch eine Stunde, und wir kommen in Lenischka an. Ist schon ein irres Gefuehl - da sitzten wir auf unserem eigenen Hof, und weil wir keinen Schluessel haben, muessen wir im Garten bleiben. Doch das macht nix. Heute Nacht wird kein Besoffener an unserem Auto klopfen. Kein Polizist wird unsere Papiere kontrollieren und nix verstehen. Ich werde zum ersten Mal seit Monaten schlafen, ohne mit einem Ohr draussen zu hoeren, ob die Maffia wieder Unsinn treibt. Wir sind beide beschwipst, aber das macht nix, da ich das Auto heute Nacht nicht Notfallmaessig wegfahren muss. Wir sind einfach hier und koennen leben. Ohne Druck, ohne Stress, ohne Bedrohung. Ein Urlaub geht zu Ende... Martin hirschbuehl.martin@web.de in Freiburg unter der Adrresse: Martin Hirschbuehl Vaubanallee 4 79100 Freiburg Tel. 0761 4098133 Hirschbuehl@web.de hirschbuehl.martin@web.de A c h t u n g: meine Mailadresse ist meistens von Werbung voll!! Deshalb besser antworten unter hirschbuehl.martin@web.de ______________________________________________________________________ XXL-Speicher, PC-Virenschutz, Spartarife & mehr: Nur im WEB.DE Club! Jetzt gratis testen! http://freemail.web.de/home/landingpad/?mc=021130 Heimfahrt.zip Content-Type: application/x-zip-compressed Content-Encoding: base64